Historismus

Historismus

Mit Blick zurück voran

Vor 1850 hatte es stets einen dominierenden, zentralen Stil im Kunstgewerbe gegeben, dessen Formen sich nur langsam wandelten. In den folgenden Jahrzehnten bis etwa 1900 beschleunigte sich der Wechsel der Moden dann dramatisch. Jede frühere Epoche der Kunstgeschichte wurde nun als Vorbild herangezogen, um neue Entwürfe zu liefern – und es entstanden Stücke in Formen von der Antike bis zum Rokoko.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Menschen Europas einen nie zuvor gesehenen Wandel. Immer neue Entdeckungen, Verkehrs- und Kommunikationsmittel beschleunigten Wissenschaft und Wirtschaft und erschütterten die gewohnten Gewissheiten über den Lauf der Welt. Der Blick zurück in die Geschichte verhieß hier Sicherheit und ihre Kenntnis Orientierung auch in der unübersichtlichen Gegenwart. Zugleich erhöhten Industrialisierung, Eisenbahn und Telegraf auch die Geschwindigkeit, in der sich die Moden abwechselten – und mit zunehmender Erforschung der Vergangenheit drängten sich auch die Stile der Künste aus der Geschichte in immer schnellerer Folge in die Gegenwart.

Bereits im Biedermeier waren erste Schmuckstücke in vage mittelalterlichen Formen entstanden, begleitet von der Wiederentdeckung der Gotik (1842 erfolgte die Grundsteinlegung zur Vollendung des gotischen Kölner Doms). Es folgten Juwelen in Formen der Neorenaissance als Ausdruck eines an den italienischen Stadtrepubliken orientierten Bürgerstolzes, was in Wien bald zu einer Massenproduktion von Renaissanceformen führte. In Rom schufen die Goldschmiede der Familie Castellani Schmuckstücke in neo-etruskischen Formen, was als besonders italienischer Stil den patriotischen Gefühlen der nach staatlicher Einheit strebenden Italiener entgegenkam. Oft kombiniert mit antiken Münzen und Gemmen, wurden diese Stücke schnell zu einem Verkaufserfolg. Zum Ende des Jahrhunderts folgte zuletzt auch Schmuck in den Formen des Barock und des Rokoko, welche die höfische Pracht des zurückliegenden 18. Jahrhunderts wiederaufleben ließen.

Erfreuen Sie sich mit uns an der reichen Vielfalt der Formen und Entwürfe – und entdecken Sie mit uns den Schmuck einer geschichtsbegeisterten Epoche zwischen Tradition und Moderne.

Hans Makart: Adele Gräfin Waldstein-Wartenberg (1874), Privatsammlung, Detail.