Haar

Haar

Zeitzeugen der Romantik

Schmuck aus Haar und Schmuck mit Haar herzustellen und zu tragen war eine Mode der romantischen Freundschafts- und Andenkenverehrung. Besonders aus dem Klassizismus und dem Biedermeier sind uns einige derwunderbare Stücke dieser Art überliefert: Sie verwahren entweder Haare geliebter Personen in kleinen Medaillons oder sind in einer komplizierten Klöppeltechnik gleich ganz aus Haar gefertigt worden.

Erstmals zur Mitte des 17. Jahrhunderts begegnen uns in England sogenannte „Stuart Crystals“. In diesen kleinen Amuletten wurde unter einem facettierten Bergkristall eine Locke des enthaupteten Königs Karl I. eingeschlossen. In der republikanischen Zeit Oliver Cromwells wollten die Anhänger des Hauses Stuart so ihre Loyalität gegenüber der alten Ordnung ausdrücken und die Erinnerung an ihren König bewahren. Im Laufe der nachfolgenden Jahre entstand hieraus eine allgemeine Form des Erinnerungsschmucks. Filigrane kleine Kunstwerke, welche unter dem Kristall oft zusammen mit Golddraht aus Haar gewundene Initialen oder Familienwappen bergen, erinnern auch an nicht-königliche, aber gleichwohl geliebte Verstorbene.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, im Zuge des Kultes der Empfindsamkeit, der Verehrung der Freundschaft und der Verklärung der romantischen Liebe, erreichte Schmuck aus Haar dann noch einmal weitere Bevölkerungskreise (siehe auch unsere › Themenwelt Trauer und Erinnerung). Durch die französische Revolution arbeitslos gewordene Perückenmacher nutzten ihre Kenntnisse der Verarbeitung dieses Materials und schufen kostbare Werke aus Haar. Zarteste Bilder und Ornamente wurden geflochten und hinter Glas verwahrt – noch Königin Viktoria von England folgte diesem Brauch nach dem Tod ihres Gatten Albert. Auch der Brauch, die Locke des in der Ferne weilenden Liebsten in einem Medaillon mit sich zu tragen, entstand in dieser Zeit.

Im › Biedermeier entstand auch ganz aus Haar gefertigter Schmuck. Aufwendig geklöppelte Uhrketten aus dem Haar der Gattin begleiteten den Mann durch den Tag, Ohrringe aus dem Haar der Tochter die Mutter. Aus Wertschätzung der feinen und kunstfertigen Verarbeitung der so entstandenen Stücke wurde sogar Schmuck aus dem Haar fremder Menschen getragen. Entdecken Sie diese heute vergessene Form der Erinnerung und freuen Sie sich über die technische Finesse dieser Objekte!