Goodbye my love...

Trauerring des Klassizismus mit Haar & Sepiamalerei in Gold, datiert 1786

Ein Grabmal mit großer Urne steht unter den zarten Ästen einer Trauerweide. In geisterhaftem Grau, zugleich voller Würde und Anmut, lehnt eine Frau trauernd an das Denkmal. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man, das die Rasenfläche der unter Glas gerahmten Sepiamalerei aus Haar besteht, das hier Teil des Bildes geworden ist. Unter dem navetteförmigen Ringkopf lesen wir: „James / Burt / died 5. June / 1784 / aged 59“, also: „James Burt starb am 5. Juni 1784 im Alter von 59 Jahren“ Der Ring präsentiert diese Szene in feinster Miniaturmalerei in Sepiafarbe, mit zarten Auflagen aus menschlichem Haar. Das Arrangement ist sicher hinter gewölbtem Glas verwahrt und mit einer schlichten Fassung aus Rotgold umgeben. Wer James Burt war, können wir heute, schon mehr als 230 Jahre nach seinem Tod, nicht mehr sagen – doch muss er ein liebenswürdiger Mensch gewesen sein. Ihm zu Ehren steht dieses Denkmal der Erinnerung bis heute und gemahnt uns an die verbindenden Werte zwischenmenschlicher Beziehungen. Ringe wie dieser waren in den letzten Dekaden des 18. Jahrhunderts besonders in England weit verbreitet. Sie waren Teil der vielfältigen Trauerrituale, mit denen das Ableben eines geliebten Menschen begangen wurde. Vielmehr als nur als Ausdruck der persönliches Trauer für ein dahingeschiedenes Individuum waren diese Schmuckstücke auch ein Zeichen des Respektes für die Institutionen der Ehe und Familie, auf denen die gesamte Gesellschaft fußte. Die Symbolik der Trauerschmuckstücke zeigt die Formensprache des Klassizismus, welche Gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Kunstwelt dominierte. Abgebrochene Säulen, Urnen, Trauerfiguren in klassischer Gewandung, Sarkophage, Trauwerweiden und Zypressen zeigen den Einfluss der Antike. Auch Haar, als besonders persönliches Material, wurde im 18. und 19. Jahrhundert oft verwendet, um Erinnerungsstücke herzustellen. Der hier vorliegende Ring gehört in diese Tradition. Ausgesprochen gut erhalten gibt er einen intimen Einblick in eine vergangene Epoche und berührt uns mit seiner anrührenden Symbolik bis heute. Zum Typus und der Datierung vgl. auch die bei Gisela Zick: Gedenke mein. Freundschafts- und Memorialschmuck 1770-1870, Dortmund 1980, Taf. 3–4 abgebildeten Schmuckstücke.

Brigitte Marquardt bildet in ihrer Publikation zu „Schmuck des Biedermeier“, München 1983, auf S. 208 einige Schmuckstücke der Erinnerungskultur des 19. Jh.s aus menschlichem Haar ab und erklärt deren Bedeutung: Die Verarbeitung von Haar zu Schmuckstücken basiert auf der Bedeutung des Haares als Teil des ganzen Menschen, das durch seine Haltbarkeit gleichsam unsterblich ist. Im Volksglauben ist das Haar der Sitz der Lebenskraft. Schmuckstücke dieser Art waren oftmals Geschenke von heiratenden Töchtern an deren Mütter, denn so konnte im wahrsten Sinne des Wortes ein Teil des Kindes, das das Haus verlässt, bei der liebenden Mutter bleiben und immerwährende Erinnerung sein, auch wenn die Tochter nun ihren eigenen Hausstand gegründet hatte.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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