Stille Größe

Anhänger aus Berliner Eisen mit antikisierendem Kaiserportrait, um 1820

Schmuck aus Eisen ist ein besonderes Kapitel der Schmuckgeschichte des frühen 19. Jahrhunderts. Unter dem Eindruck der Napoleonischen Kriege war es in Berlin Mode geworden, statt kostbaren Goldes demütiges Eisen als Schmuck zu tragen, um so seine patriotische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen (Vgl. „Erfahren Sie mehr...“). Doch auch nachdem Napoleon endgültig nach Elba verbannt war, blieb Schmuck aus Eisen beliebt, ja, erreichten die delikaten Kreationen im gotischen bzw. antikisierenden Stil eigentlich erst den Höhepunkt ihrer Beliebtheit. Der hier vorliegende Anhänger ist in den Jahren um 1820 entstanden und zeigt ein Reliefbildnis im antiken Stil, wohl einen Kaiser mit Lorbeer im Haar. Die Plakette ist auf polierten Stahl gelegt und von einem doppelten Rahmen aus einem vergoldeten Stab und luftigen Schlaufen aus Eisen umgeben. Elisabeth Schmuttermeier: Cast Iron from Central Europe, 1800-1850, The Bard Center for Studies in the Decorative Arts, New York 1994, S. 276 bildet ein Collier aus dem Besitz des Victoria & Albert Museum, London, ab das in Berlin in den Jahren um 1820 entstanden ist. Vgl. die beigefügte Abbildung. Hier sind entsprechende Reliefplaketten zu einem Collier zusammengestellt. Hinten links ist ein ganz ähnliches Bildnis im verloren Profil, wie bei dem hier vorliegenden Anhänger. Wir haben den Anhänger in Großbritannien entdeckt. Auch hier, im Lande Wellingtons, liebte man das Berlin Iron als Erinnerung an Siege der einstigen Verbündeten von Belle Alliance.

Zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts initiierte die preußische Prinzessin Marianne eine Aktion, die unter der Parole „Gold gab ich für Eisen“ zur Verteidigung des von Frankreich bedrohten Heimatlandes Preußen beitragen sollte: In einem großen Prozessionszug auf der Prachtstraße Unter den Linden in Berlin brachten die Damen der Gesellschaft unter Anführung der Prinzessin ihren Goldschmuck dem König als Geschenk dar. Mit dem so gesammelten Gold konnte der Kampf gegen Napoleon und seine Truppen finanziert werden; im Gegenzug erhielten die Spenderinnen im Tausch gegen ihre Juwelen Schmuckstücke aus gegossenem Eisen, die sie fortan mit patriotischem Stolz trugen. Die große Zeit von Schmuckstücken aus Eisen begann somit in den Jahren der napoleonischen Besatzung Preußens. Dieser neue Bedarf an Eisenschmuck zog die Gründung der Berliner Eisengießerei nach sich, welcher der Goldschmied Conrad Geiss vorstand, der zahleiche Entwürfe des Klassizismus zur Ausführung kommen ließ. Der Berliner Eisenschmuck, das „Fer de Berlin“ mit seinen klaren Konturen und seiner zurückhaltenden, dunklen Farbe entsprach dabei dem Geist des Klassizismus. Mit ihm wurde dem aufwendigen Diamantpomp des 18. Jahrhunderts eine Alternative entgegengesetzt, die bürgerliche Tugenden wie Bescheidenheit, Zurückhaltung und Bildung Ausdruck gab. Doch nicht nur in Berlin wurden in diesen Jahren Schmuckstücke aus Eisen hergestellt, auch in Schlesien, in der neutralen Schweiz und später selbst in Frankreich wurden Schmuckstücke aus diesem Werkstoff gefertigt: Das geschwärzte Eisen war Mode und salonfähig geworden. 1851 schließlich wurden Schmuckstücke aus Fer de Berlin auch auf der Weltausstellung in London ausgestellt und ausgezeichnet. Vgl. Elisabeth Schmuttermeier: Schmuck aus Eisen, in: Berliner Eisen. Die königliche Eisengießerei Berlin. Zur Geschichte eines preussischen Unternehmens, hrsg. v. Charlotte Schreiter / Albrecht Pyritz, Berlin 2007, S. 227–240, sowie die entsprechenden Kapitel in Brigitte Marquardt: Schmuck. Klassizismus und Biedermeier 1780-1850. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1983.

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