Nur das eine Blümlein nicht...

Anrühernder Vergissmeinnicht-Ring aus Diamant, Türkisen & Gold, England um 1830

„Rosen, Tulpen, Nelken, alle Blumen welken, nur das eine Blümlein nicht, und das heißt: Vergissmeinnicht“ In früherer Zeit hatte Schmuck immer eine bestimmt Bedeutung und transportierte häufig eine Botschaft. So überrascht es nicht, dass auch der hier vorliegende, antike Ringaus dem England der Jahre um 1830 ein altes Freundschafts- und Zuneigungssymbol präsentiert: Das aus hochkarätigem Gelbgold geschmiedete Stück ist mit fünf himmelblauen persischen Türkisen besetzt, die sich um eine kleine Diamantrose gruppieren. So bilden sie eine niedliche Vergissmeinnicht-Blüte! Das Vergissmeinnicht ist ein Symbol für zärtliche Erinnerung sowie für Abschied in Liebe. Das Vergissmeinnicht trägt in vielen Sprachen einen Namen mit der gleichen Bedeutung. Ringe wie dieses in der besonders empfindsamen Georgian era entstandene Exemplar, wurden als Unterpfand der Zuneigung verstanden, die dauerhaftes Andenken des Schenkenden sicherstellen sollten. Schwungvolle Blattranken und florale Ornamente zieren Ringschultern und geben dem Stück eine bezaubernd nostalgische Note. Unter dem Ringkopf befindet sich zudem noch ein besonders sentimentales Geheimnis: Von einer Glasplatte bedeckt findet sich hier eine Einlage aus geflochtenem Haar mit dem der Ring an eine Person erinnern sollte (Vgl. „Erfahren Sie mehr“). Somit ist das Schmuckstück ein besonders niedlicher und schöner Ring des englischen Biedermeier mit anrührender Symbolik!

Mit ziemlich sicher handelt es sich bei diesem Ring um eine Freundschaftsgabe – denn das persönlichste Geschenk an einen lieben Menschen ist ja Haar als Teil des eigenen Körpers. Die Epoche des Klassizismus und des Biedermeier verehrte die Erinnerungskultur ebenso wie die Freundschaft und die Liebe und sehnte sich nach Frieden nach den Unruhen in Europa. Man schenkte sich kleine Gaben, um die Fäden romantischer Beziehungen zu spinnen, schrieb sich Briefe und Gedichte und las die Bücher Adalbert Stifters und Annette von Droste-Hülshoffs. Stendhal, der große französische Romancier des frühen 19. Jahrhunderts, überliefert in seinem Briefwechsel mit Balzac, dass auch Männer Schmuck aus menschlichen Haaren trugen. Als 1810, auf dem Höhepunkt der Herrschaft Napoleons, die eingeschüchterten Österreicher in St. Cloud mit Frankreich über ein Bündnis verhandeln mussten, konnte er beobachten, wie der österreichische Unterhändler Fürst von Metternich ein Armband aus Haar von Caroline Murat trug, der Schwester Napoleons. So konnte er seinen Willen zum Bündnis beider Länder auf subtile Weise ausdrücken, welches wenig später die Ehe Napoleons mit Marie-Louise von Habsburg, der ältesten Tochter des österreichischen Kaisers Franz I., besiegelte. Als Ironie der Geschichte verbündete sich die enttäuschte Caroline Murat wenig später mit Österreich gegen ihren Bruder – das Band aus Haar am Arm Metternichs verband beide somit noch weit mehr und länger, als diese wohl zuerst ahnten. (Vgl. Stendhal: Die Kartause von Parma, München 2007, Kommentar, S. 802.)

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