Zuckersüß

Antike Anstecknadel mit Topas, Saphir & Diamanten, um 1900

Schmuckstücke in Form kostbar gestalteter Insekten waren eine große Mode der letzten zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Nicht nur Schmetterlinge, Spinnen und Bienen durften sich auf den Dekolletés und Frisuren der Damenwelt niederlassen; auch Fliegen fanden sich in Form goldener an den Schals der Damen ebenso wie auf den Krawatten der Herren. Ganz im Sinne der Zeit liebte man es, diese Motive romantisch auszudeuten. Die Spinne etwa, in deren Netz die Fliege gefangen ist, galt als Sinnbild der Verführerin. Auch die Biene, die süßen Honig schafft, wurde im Kontext des Honeymoon, also des Honigmondes der Frischvermählten dargestellt. Und da die Fliege unwiderstehlich von zuckrigen Düften angezogen wird, so wie Liebende voneinander, konnte sie auch sie zweideutige Trägerin galanter Botschaften werden. Mehr hierzu können Sie etwa nachlesen bei Charlotte Gere/Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London 2010. S. 221. Das vorliegende Exemplar zeigt sich in besonders kostbarer Ausgestaltung mit einem Leib aus dunkelblauem Saphir und pinkfarbenem Topas. Vier Diamanten schimmern lebhaft auf den Flügeln. Der Körper indes ist wie die Nadel aus Gold gestaltet. So ergibt sich ein kleines, aber kostbares Juwel – das ganz gemäß seiner ursprünglichen Funktion als Conversation Piece sicher die ein oder andere Unterhaltung anregen wird. Zu tragen ist das lustige Schmuckstück am Revers eines Blazers oder Mantels ebenso wie an der Krawatte.

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine neue, nie zuvor gesehene Art von Schmuckstücken: Sogenannte „Novelty Jewellery“ sorgte durch neue, überraschende und bis dato undenkbare Formen und Materialzusammenstellungen für Furore: So ließen sich mit einem Mal Vögelchen auf Schaukeln nieder und wurden zu Ohrgehängen. Viele Gegenstände des täglichen Lebens fanden ihren Weg an das Revers der Damen und Herren, wie Tennis- und Golfsschläger sowie Briefmarken, doch auch die technische Welt fand in dieser Mode ihren Niederschlag. Maschinen, Automobile en miniature und auch das neuartige Telefon bildeten überraschende Blickpunkte. Sinn und Zweck dieser Stücke war es, in Gesellschaft für Anknüpfungspunkte zum Gespräch zu sorgen. Bei Geburtstagsfeiern konnte eine Brosche mit dem Geburtsjahr der oder des Gefeierten eine sympathische Geste sein, bei gemeinsamen Ausflügen zur Jagd eine Fuchsbrosche dem Rahmen entsprechend die Garderobe ergänzen. Sogar durch Batterien aus den Augen leuchtende Totenschädel wurden angeboten, um bei einer Dinnerparty einen makabren, aber doch heiteren Akzent zu setzen. Dabei handelte es sich bei den Schmuckstücken nicht ausschließlich um Modeschmuck. Viele Stücke waren natürlich für den einmaligen Gebrauch konzipiert und aus preiswerten Materialien hergestellt. Die immer weiter fortgeschrittene Industrialisierung auch im Schmuckbereich erlaubte mit einem mal die massenweise Herstellung von vergoldeten und auch nur goldfarbenen Broschen und Anhängern. Doch auch namhafte Goldschmiede schufen kleine Novelty-Stücke aus kostbaren Metallen, besetzt mit edlen Steinen, denn die Mode des Kuriosen, Überraschenden und Heiteren lebte in allen Schichten der Gesellschaft: Tatsächlich nahm die königliche Familie in Großbritannien hier sogar eine Vorreiterrolle ein - und setzte mit ihrem Juwelengebrauch den Maßstab, an dem sich ihre Untertanen dann messen lassen wollten. Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie bei Charlotte Gere / Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London 2010, S. 190–247.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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