Ergo bibamus

Antike Brosche mit Conch-Kamee einer Bacchantin in Goldfassung, um 1860

Beeindruckend in ihrem exzeptionellen Schnitt und ihrer lebensnahen Dreidimensionalität zeigt sich die vorliegende Kamee aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Gehalten von einer floral gravierten Fassung aus 14-karätigem Gold zeigt die Brosche ein Relief aus Conch-Schale. „Conch“ ist dabei die Bezeichnung für die große Fechterschneke (Strombus Gigas), deren Lebensraum die kristallklaren, tropischen Meeresgebieten der Karibik sind. Die Gehäuse der Meeresschnecken zeichnen sich durch eine wundervoll zartrosa Farbe aus und eignen sich besonders zu Schnitt hochwertiger Gemmen. Die ovale Kamee zeigt eine schöne junge Dame mit wallendem Haar. Sie trägt einen reichen Schmuck aus Weinblättern und Trauben im Haar. Um die Schultern hat sie das Fell eines Panthers geschlungen, dessen Kopf uns grimmig entgegenblickt. Es handelt sich bei der Dargestellten somit um eine Bacchantin. Wie ihr griechisches Pendant die Mänade war sie Anhängerin des Weingottes Bacchus (Dionysos), der für seine rauschenden Feste, die sog. „Bacchanalien“, berühmt und berüchtigt war. Das Bild des Bacchanten in der abendländischen Kunstgeschichte wird stark durch die Form geprägt, die der im Ursprung griechische Kult bei den Römern annahm. Die römischen Bacchanalien gingen wahrscheinlich aus Frühlingsfesten hervor. Zu Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. entwickelten sich die Kultfeiern dann zu exzessiven Gelagen, die von Tänzen und Orgien begleitet waren und die im Geheimen stattfanden. In späteren Jahrhunderten wurden Bacchanten zum Synonym für feiernde lebenslustige Menschen, speziell jedoch für Liebhaber von gutem Wein. Das wunderbar erhaltene Schmuckstück ist in den Jahren um 1860 entstanden, erst wenige Jahre zuvor erreichten Conch-Schalen erstmals Europa. Die hier vorliegende Kamee ist somit ein frühes Beispiel für dieses neue, hochgeschätzte und kostbare Material, das gerade für Gemmenschmuck rasche Verbreitung fand, vgl. dazu auch David Bennett/Daniela Mascetti: Understanding Jewellery, London 2010, S. 122 sowie S. 148f.

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