Auf den Hund gekommen

Antike Brosche mit Mikromosaik eines Spaniels, Italien um 1860

Reisende aus Rom brachten besonders gerne Mikromosaike mit Darstellungen der berühmten Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt mit nach Hause. Das aber auch andere Motive gefragt waren, beweist die vorliegende niedliche Brosche. Das Mikromosaik aus kleinen Glastesserae in schwarzem Glas zeigt uns das detailreiche Porträt eines kleinen Hundes. Der Spaniel sitzt auf einem blauen Kissen mit goldenen Troddeln und erscheint vornehm. Es handelt sich um einen sogenannten King-Charles-Spaniel, eine Rasse, die seit dem englischen König Charles I. zunächst vor allem am englischen Königshof und in britischen adeligen Kreisen beliebt war, bald jedoch auch in allen anderen Ländern Europas verbreitet war. Ein vermutlich englischer Reisender war es auch, der das ovale Mosaik mit über die Alpen brachte. Erst dort wurde es, wie es bei Mikromosaiken häufig geschah, mit einer schlichten Fassung aus vergoldetem Pinchbeck versehen. Als Brosche zu tragen, war das Stück Ausweis einer Grand Tour nach Italien und zugleich Ausdruck von Tierliebe und royaler Gesinnung. Die um 1860 entstandene Brosche ist ein wunderbares, dekoratives Schmuckstück im seltenen Medium des Mikromosaiks mit anrührender Hundedarstellung. Vgl. Sie die entsprechenden Mosaike mit Darstellungen von Spanieln bei Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L'arte del micromosaico fra '700 e '800, Mailand 2001, auf Seite 62f, mit Beispielen aus verschiedenen römischen Sammlungen.

Der Ursprung der Kunst des Mikromosaiks liegt im Rom. Hier, genauer im Vatikan, bestand seit dem 16. Jahrhundert eine Werkstatt für Mosaike aus Glassteinen. Zunächst um die im Petersdom aufgestellten Altargemälde in dauerhafter Form gegen Kerzenruß, Feuchtigkeit und Dreck zu schützen, welche die vielen Pilger in die Kirche brachten. Später, nachdem diese Aufgabe dann abgeschlossen war, entstanden weiterhin Gemäldekopien sowie Landschaftsdarstellungen in Gemäldegröße. Die Idee, diese letztlich antike Technik auch für Schmuckstücke und zur Dekoration kunstgewerblicher Gegenstände zu nutzen, entstand zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen der Grand Tour erreichten zahllose Reisende aus Nordeuropa die Stadt und erzeugten eine große Nachfrage nach Souvenirs. Nicht zuletzt um diesen Markt zu bedienen, entstand eine ganz neue Kunstform: Mikromosaike sind klein und transportabel und eigneten sich daher ganz besonders dazu, mit in die Heimat im Norden genommen zu werden. Da sie außerdem meist die Schönheiten Roms oder Motive aus der Antike zeigen, verwundert ihr Erfolg als Reiseerinnerung kaum. Die „Erfindung“ des Mikromosaiks verbindet sich vor allem mit Giacomo Raffaelli und Cesare Aguatti, welche um das Jahr 1775 herum diese Technik perfektionierten. Sie begründeten eine Tradition, aus der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mosaike mit einem derartigen Detailreichtum und Kunstfertigkeit entstanden, welche nie zuvor und auch nicht mehr danach erreicht wurde. Denn bis heute werden in Rom entsprechende Mosaike hergestellt, wenn auch in deutlich minderer Qualität. Vgl. zur Technik und Geschichte des Mikromosaiks die einschlägige Literatur: Maria Grazia Branchetti: Mosaici minuti romani, Rom 2004, mit vielen Arbeiten Giacomo Raffaellis, sowie Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L'arte del micromosaico fra '700 e '800, Mailand 2001.

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