Schein und Sein

Antike Gold-Brosche im Stil des Realismus, Wien, um 1875

Das mittlere 19. Jahrhundert erlebte im Bereich des Schmucks eine Mode, welche uns heutigen Menschen einigermaßen sonderbar vorkommen muss: Den Realismus. Ebenso wie in der Literatur und der Malerei wanden sich die Entwerfer den bisher vernachlässigten Dingen des Lebens zu und setzte alles daran, neuartige Gegenstände der sich wandelnden Welt auch im Bereich des Schmucks nutzbar zu machen. Hintergrund war die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Maschinen veränderten die Arbeitswelt, die Eisenbahn revolutionierte den Transport und technische Neuerungen folgten rasantem Tempo. Den Menschen der Zeit war die Tragweite der Entwicklung wohl bewusst. Teilweise als Krise wahrgenommen, zum Teil als Fortschritt gefeiert, schlug sich die Technisierung auch im Schmuckdesign nieder. So finden wir also Elemente wie Zahnräder, Flanschen, Spindeln und Schrauben zur Schau gestellt – und so die Ästhetik der Moderne, der Maschinen rezipiert. Vorbild für diese Gestaltungsweise waren die Arbeiten des Pariser Juweliers Félix Duval aus den Jahren nach 1861, doch auch in den deutschen Ländern wurde in dieser Art entworfen, wie wir etwa bei Brigitte Marquardt. Schmuck. Realismus und Historismus. 1850-1895. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1998, S. 50ff., S. 276, nachvollziehen können. Dieser technische Schmuck scheint in seiner Schlichtheit und Funktionalität beim Publikum indes nur wenig Anklang gefunden zu haben und der Trend hielt sich nur wenige Jahre. Umso seltener sind so gut erhaltene Schmuckstücke wie die hier vorliegende Brosche aus Gold. Der quergelagerte Entwurf behauptet, einen Blick in ein Kästchen aus Krokodilleder zu gewähren. Die beiden dreieckigen Laschen aus Leder sind nach rechts und links geschlagen und mit Schrauben fixiert. Sie geben den Blick frei auf eine rot glänzenden Schmuckstein in einer zeittypischen Krappenfassung. Wer indes glaubt, hier einen Rubin zu sehen, wird getäuscht. So wie das Leder nicht aus Krokodil und die Schraube nicht zu drehen ist, so ist auch der Rubin aus einem anderen Material als er vorgibt zu sein. Er ist aus Glas und bringt das Spiel mit Schein und Sein, mit Naturwiedergabe und -imitation auf die Spitze. Die Brosche ist ausweislich ihrer Punzierungen in Wien gefertigt worden. Auf Grund ihrer Verarbeitung, der Punzen und der Formgebung ist sie in den Jahren um 1875 entstanden. Sie ist sehr gut erhalten.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.


5 Gründe, die Sie zum Strahlen bringen!

Noch keine Artikel angesehen