Ein neuer Tag beginnt

Antike „Lava“-Gemme der Aurora in Silber als Brosche, Neapel um 1870 und später


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Beschreibung
Jeder Reisende der Grand Tour erreichte auf seiner Reise durch Italien früher oder später auch Neapel. Das Ziel überwältigte mit seiner Lage am Golf, dem spektakulären Blick auf den Vesuv, dem sanften Klima, seiner rauen und doch bezaubernden Stadtkulisse und – nicht zuletzt – seinem Reichtum an unsterblichen Kunstschätzen der Antike. Aus den beim Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. untergegangenen Städten Pompeji und Herkulaneum waren bereits im 18. Jahrhundert derart viele spektakuläre Kunstschätze nach Neapel gebracht worden, dass die Museen hier Weltruhm genossen. Ihr Besuch war eine Pflichtetappe in der Stadt. Auch den Besuch von Pompeji selbst mit seinem makaberen Reiz ließ niemand aus. Kein Wunder also, dass auch Souvenirs dieser Reise nicht fehlen durften: Eine lokale Kunstindustrie entstand, die besonders Gemmen herstellte aus Korallen, Muscheln und farbigen lokalen Steinvarietäten, welche als „Lava“ des Vulkans verkauft wurden. Objekte aus diesem Material wurden von den Reisenden besonders geschätzt. Wir können uns leicht ihre Faszination neu vorstellen: Hier ein Stück des Berges in Händen zu halten, der dem Leben der Antiken Welt ein solch grausiges Ende bereitete – und damit aber auch ihren Erhalt für die späteren Generationen erst ermöglicht hatte! Welch besseres Souvenir ist denkbar? Die hier vorliegende Brosche präsentiert eine große, ausnehmend fein geschnittene Gemme aus ebenjenem Material. Wir sehen die Göttin der Morgenröte mitten im Fluge über den Himmel. Eos, wie sie die Griechen nannten, oder Aurora, wie sie in Rom hieß, erhellt mit einer Facken den Himmel und bereitet so der Sonne ihren Weg. Zwei Putte streuen auf ihrem Wege Blumen, welche im Morgentau erblühen. Das Motiv der blumenstreuenden Aurora haben zahlreiche Künstler immer wieder neu abgewandelt. Wir bilden eine Zeichnung aus der Hand Sebastiano Riccis aus der Royal Collection (Inv. Nr. 907197) ab, welche hilft, auch die Darstellung auf der hier vorliegenden Gemme zu identifizieren. Der Steinschnitt ist in den Jahren um 1870 in Neapel entstanden, als Souvenirs wie dieses eine große Mode waren. Oft ließen die Reisenden die Fassungen für die Gemmen erst in der Heimat anfertigen, mitunter auch erst Generationen später. Die schlichte Fassung aus Silber, welche die Aurora zur Brosche macht, ist so denn auch erst in den 1930er Jahren entstanden. Ein wenig Morgenröte zu beschwören, zu einer besseren Zeit, das erschien ihrer Trägerin offenbar in ihren Tagen nötig.
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Vgl. zur Datierung und mit weiteren Informationen zu diesem Schmucktypus Charlotte Gere/Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London: British Museum Press 2010, S. 494.
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Unser Versprechen

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