Iris und die Wasser des Styx

Antike Muschelgemme der Iris nach Guy Head, um 1880

Im Bereich der Muschelgemmen war es im 19. Jahrhundert vor allem die antike Götterwelt der Römer und Griechen, welche den Gemmenschneidern im Golf von Neapel zur Inspiration gereichte. Dies kam den Italienreisenden gerade gelegen, besuchten sie doch das geschichtsträchtige Land nicht nur für seine blühenden Zitronenbäume und seinen edlen Wein, sondern auch, um ihre Bildung zu vervollkommnen und zwischen Ruinen und Skulpturen der Antike nachzuspüren. Dann und wann jedoch schnitten die Gemmenschneider auch Muscheln nach bekannten, aufgrund ihrer Klientel meist britischen Gemälden. Die vorliegende Gemme etwa ist dem Gemälde „Iris Carrying the Water of the River Styx to Olympus for the Gods to Swear By“ von Guy Head aus dem Jahre 1793 nachempfunden, das im Jahre 1800 in der Royal Academy ausgestellt wurde (vgl. letzte Abb., verwahrt im Nelson Atkins Museum, Kansas City). Das Gemälde stellt Iris, die Göttin des Regenbogens dar, die auf Geheiß des Zeus die Wasser des Styx zum Olymp transportiert, damit zur Schlichtung eines Streits ein Gott einen Eid darauf leisten möge. Wurde jedoch ein Meineid geleistet, fiel der Gott ein Jahr lang in Bewusstlosigkeit und wurde nach seinem Erwachen weiteren Strafen ausgeliefert – so zumindest erzählt es der griechische Dichter Hesiod. Da dem Gemmenschneider im fernen Neapel nicht das Gemälde selbst, wird er sich – wie üblich in diesen Fällen – einer graphischen Reproduktion bedient haben. Einem Kupferstich etwa, einer Radierung oder auch einer Fotografie, die entweder seine Werkstatt als Vorlagenwerk bereit hielt oder aber die der reisende Auftraggeber im Gepäck bei sich trug. Da die früheste Reproduktion, die wir nachweisen können, ein Albuminabzug aus der Zeit um 1880 ist, datieren wir auch die Gemme nicht früher (vgl. Getty Museum, Objektnr. 84.XP.1437.54),

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