Libellentanz

Antike Reversnadel aus Rubinen & Diamanten in Gold & Platin, um 1910

Wir Libellen / Hüpfen in die Kreuz und Quer, Auf den Quellen / Und den Bächen hin und her. Schwirrend schweben / Wir dahin im Sonnenglanz: Unser Leben / Ist ein einz’ger Reigentanz. Wir ernähren / Uns am Strahl des Sonnenlichts, Und begehren, / Wünschen, hoffen weiter nichts Mit dem Morgen / Traten wir ins Leben ein; Ohne Sorgen / Schlafen wir am Abend ein. Heute flirren / Wir in Freud' und Sonnenglanz; Morgen schwirren / Andre hier im Reigentanz. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) Die Libelle ist eines der Tiere, das die Künstler der Jahre um 1900 inspirierte wie kaum ein anderes. Schon das englische Wort für Libelle, „Dragonfly“, zeigt an, dass die Libelle im keltischen Kulturkreis für einen kleinen fliegenden Drachen gehalten wurde. Die Libelle ist in dieser Vorstellung eine kleine Drachenart, auf denen Feen und Elfen fliegen können – so wurde die Libelle als kleiner Feendrache einer märchenhaften Parallelwelt gesehen. Der germanische Volksglauben hält eine andere Deutung bereit. So sollen sich kürzlich verstorbene Seelen in Libellen verwandeln, um in den Himmel aufzusteigen. Diese Geschichten, das Irisieren der Flügel des großen und geheimnisvollen Tieres und seine schwebenden, ätherischen Flugbewegungen begeisterten die Entwerfer des Jugendstil und regten ihre Phantasie an. Und so fand die Libelle schnell Eingang in das Kunstgewerbe der Zeit: Sie findet sich als Gravuren auf den Gläsern Laliques in Paris ebenso wie in Marketterien den Möbeln Majorelles in Nancy. Auch die großen Juwelenhäuser Europas fertigten in den Jahren um 1900 Ebenbilder des kleinen Luftdrachens aus edlen Materialien, die sich auf den Kleidern der Damen der Jahrhundertwende niederließen. Die hier vorliegende Libelle setzt sich als Zierstück einer eleganten Reversnadel auf Sakko und Blazer. Sie ist aus hochkarätigem Gold und Platin gefertigt und mit Rubinen und Diamanten ausgefasst- Dabei schwirrt die Libelle einem funkelnden Diamanten hinterher, der ihre Sinne magisch anzuziehen scheint. Ein kreisrunder Rahmen aus kalibrierten Rubinen und weiteren Diamanten umgibt die kleine Szene. Die Verwendung von kalibrierten Steinen lässt uns die Nadel in die Jahre um 1910 datieren, als diese Art der Fassung eine große Mode erlebte. Wir haben die Nadel in Paris entdeckt. Sie trägt moderne französische Importpunzen die zeigen, dass sie offenbar erst vor kurzem nach Frankreich importiert wurde. Möglicherweise ist sie in Großbritannien oder in Deutschland entstanden. Sie hat sich in ihrem antiken Etui perfekt erhalten.

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine neue, nie zuvor gesehene Art von Schmuckstücken: Sogenannte „Novelty Jewellery“ sorgte durch neue, überraschende und bis dato undenkbare Formen und Materialzusammenstellungen für Furore: So ließen sich mit einem Mal Vögelchen auf Schaukeln nieder und wurden zu Ohrgehängen. Viele Gegenstände des täglichen Lebens fanden ihren Weg an das Revers der Damen und Herren, wie Tennis- und Golfsschläger sowie Briefmarken, doch auch die technische Welt fand in dieser Mode ihren Niederschlag. Maschinen, Automobile en miniature und auch das neuartige Telefon bildeten überraschende Blickpunkte. Sinn und Zweck dieser Stücke war es, in Gesellschaft für Anknüpfungspunkte zum Gespräch zu sorgen. Bei Geburtstagsfeiern konnte eine Brosche mit dem Geburtsjahr der oder des Gefeierten eine sympathische Geste sein, bei gemeinsamen Ausflügen zur Jagd eine Fuchsbrosche dem Rahmen entsprechend die Garderobe ergänzen. Sogar durch Batterien aus den Augen leuchtende Totenschädel wurden angeboten, um bei einer Dinnerparty einen makabren, aber doch heiteren Akzent zu setzen. Dabei handelte es sich bei den Schmuckstücken nicht ausschließlich um Modeschmuck. Viele Stücke waren natürlich für den einmaligen Gebrauch konzipiert und aus preiswerten Materialien hergestellt. Die immer weiter fortgeschrittene Industrialisierung auch im Schmuckbereich erlaubte mit einem mal die massenweise Herstellung von vergoldeten und auch nur goldfarbenen Broschen und Anhängern. Doch auch namhafte Goldschmiede schufen kleine Novelty-Stücke aus kostbaren Metallen, besetzt mit edlen Steinen, denn die Mode des Kuriosen, Überraschenden und Heiteren lebte in allen Schichten der Gesellschaft: Tatsächlich nahm die königliche Familie in Großbritannien hier sogar eine Vorreiterrolle ein - und setzte mit ihrem Juwelengebrauch den Maßstab, an dem sich ihre Untertanen dann messen lassen wollten. Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie bei Charlotte Gere / Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London 2010, S. 190-247.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.


5 Gründe, die Sie zum Strahlen bringen