Herzklopfen

Antiker Goldring mit 0,40 ct Altschliff-Solitär, Deutschland um 1910

Heutzutage werden Diamanten oft vollautomatisiert geschliffen, mit dem Computer gescannt und ihr ideales Schliffbild berechnet. Immer weiter wird dabei der Schliff perfektioniert, damit am Ende stets dasselbe, immer gleiche Produkt der Edelsteinindustrie entsteht, bei dem ein Brillant so aussehen soll wie der andere. Ganz anders zeigt sich der Schliff des Diamanten im Zentrum des hier vorliegenden Ringes. Von einer Zargenfassung aus Platin gehalten, ist der prachtvolle Stein im individuellen Altschliff geformt. Der Schleifer, der den Stein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in seinen Händen hielt, wollte möglichst viel von der Substanz des Diamanten erhalten und dem Rohstein seine ganz eigene Individualität entlocken. Besonders schön lässt hier die zentrale Tafel des Diamanten seine rückseitigen Facetten erkennen und zeigt ein beeindruckendes Feuer. Der Stein hat ein Gewicht von etwa 0,40 ct Karat und zeigt sich in warmem Weiß in wunderbarer Reinheit. Die schlichte, handgeschmiedete Schiene aus Gold ist an den Schultern leicht aufgestellt und vergrößert den Solitär optisch. Feine Gravuren in den Seitenpartien und eine durchbrochene Unterkaderung machen den Ring von allen Seiten schön. So ist das Schmuckstück mit seinem herrlichen Brillantkissen ein ganz persönlicher, unikater Diamant-Ring des frühen 20. Jahrhunderts und ein wunderschöner, unikater Verlobungsring.

In der Antike wurden Diamanten vor allem für ihre unvergleichliche Härte geschätzt. Als Symbole unbesiegbarer Stärke war ihre Schönheit bestenfalls zweitrangig. Tatsächlich erscheinen die frühen Diamanten dem modernen Auge überhaupt nicht attraktiv. Mittelalterliche Schlifftechniken erlaubten ebenfalls keine spektakulären Lichtreflexe und die verbreiteten Tafelschliffe brachten nur Helligkeit und Farbe der Steine zur Geltung. All das änderte sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts. Der Adel des Barock entwickelte eine Vorliebe für glitzernde Edelsteine. Besonders populär waren Diamanten im Rosenschliff, deren vielfältige Facetten das Kerzenlicht wunderbar reflektieren. In der Mitte des Jahrhunderts entwickelte sich ein erster, früher Brillantschliff, der nach dem einflussreichen Kardinal Jules Mazarin als Mazarinschliff bezeichnet wird und sich durch eine Krone mit 17 Facetten auszeichnet. Bereits gegen Ende des Jahrhunderts wurden diese Diamanten dann durch eine neue Form abgelöst, der nach seinem Erfinder als Peruzzi-Schliff benannt ist. Vincenzo Peruzzi war ein Edelsteinschleifer aus Venedig, der die Krone der Diamanten um zusätzliche Facetten auf insgesamt 33 erhöhte und so das Feuer der Steine enorm steigerte. Diese frühen Brillanten waren jedoch, was Anzahl und Form der Facetten angeht, nicht standardisiert. Jeder Stein wurde so geschliffen, dass möglichst viel Substanz erhalten bleiben konnte. Neue Diamantvorkommen in Brasilien führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dann zu einer Schliffform, die als Old Mine Cut bekannt wurde. Diese Diamanten ähneln bereits sehr unseren heutigen Vollschliff Brillanten, doch sollten noch einige Generationen stetiger Verbesserung der Schlifftechnik nötig sein, bis aus dem Old Mine Cut zunächst der Altschliff (oder Old European Cut), und schließlich in den 1940er Jahren der moderne Vollschliff wurde.

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Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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