Feuer und Brillanz

Antiker Ring mit Altschliff-Diamant in Roségold, um 1900

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Anfangs waren diese frühen Brillanten noch kissenförmig, sogar rechteckig, denn einen Diamanten rund zu schleifen, bedeutete viel kostbare Masse des kantig gefundenen Rohdiamanten zu verlieren. Erst mit der plötzlichen Entdeckung großer Diamantvorkommen in Südafrika gegen Ende des 19. Jahrhunderts erschien es möglich, diesen Verlust der Masse in Kauf zu nehmen – und damit noch funkelndere Steine zu erzeugen. Der Mittelstein des vorliegenden Ringes ist ein solcher runder Diamant im Altschliff der Jahre um 1900, der heute als „Old European Cut“ bezeichnet wird. Er wiegt etwa 0,70 ct und zeigt sich für einen Altschliff in ungewöhnlicher Klarheit und Reinheit, mit nur unter der Lupe erkennbaren, kleinsten Inklusionen. Zarte Krappen halten ihn in einer Krönchenfassung, sodass viel Licht an ihn gelangen, sein Feuer und seine Brillanz entfachen kann. Links und rechts dieses Altschliff-Brillanten sind jeweils kleinere Diamanten im Rosenschliff eingelassen, die den Ring getragen wie ein einzelnes, funkelndes Band aus Diamanten wirken lassen. Band und Fassung sind aus einem rötlichen Gold geschmiedet, sodass der Entwurf eine schöne Wärme beibehält. Der Entwurf ist klassisch, geradezu zeitlos, und so lässt der Ring sich auch zu einer modernen (Schmuck-)Garderobe kombinieren. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich die lange Geschichte des Ringes in seinem individuell proportionierten Altschliff-Diamanten, den kleinen Rosenschliffen und der zeittypischen, warmen Goldfarbe – ein kleines Geheimnis am Finger, das leise von einer fernen Zeit erzählt.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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