Kunst oder Materie

Prächtiger Armreif im archäologischen Stil mit Saphiren & Perlen in Gold, Marchesini um 1870

„Nihil ars sine materia, materiae etiam sine arte pretium est; ars summa materia optima melior.“ – „Nichts ist die Kunst ohne das Material, Material ohne Kunst hat auch so einen Wert: die höchste Kunst aber ist besser als das beste Material.“ In keinem Bereich der Künste ist dieser Zwiespalt, das Spannungsfeld zwischen Kunstfertigkeit und Materialwert so offenkundig und bedeutsam wie im Bereich des Schmucks. Schon Quintilian reflektierte wie oben zu lesen in seinem Lehrbuch der Redekunst (2,19) im ersten Jahrhundert vor der Zeitenwende über ihr Verhältnis. Und kam zu dem Schluss, dass Kunst und Geschick den bloßen Wert des Materials doch immer in den Schatten stellen. Dass diese Diskussion auch im 19. Jahrhundert noch geführt wurde zeigt der hier vorliegende Armreif. Denn anders als höfischer Schmuck derselben Zeit, der kostbare Diamanten und Farbsteine so in Gold und Silber fasst, dass das Metall kaum zu sehen und die Pracht der Edelsteine den Atem verschlägt, ist hier vor allem die feine Verarbeitung und der kunstvollen Entwurf in den Vordergrund gestellt. Aus hochkarätigem Gold gearbeitet, schmücken Perlen und Saphire die Seiten des Reifs. Feine Belötungen aus Kordeln gliedern die Oberflächen. Es sind gerade diese feinen Auflagen, welche die Meisterschaft des Goldschmiedes bezeugen. Denn sie zu befestigen ohne das Gold zum Schmelzen zu bringen war eine Kunst, die nur wenige Meister beherrschten. Der Armreif ist in Italien in den Jahren um 1870 entstanden und wurde bei Marchesini, einem der berühmtesten Juweliere der Zeit mit Filialen in Rom und Florenz erstanden. Die Juwelierdynastie belieferte seit Nicola Marchesini König Umberto und das Haus Savoyen sowie andere gekrönte Häupter Europas. Der hier vorliegende Reif ist signiert und ein für den archäologischen Geschmack der Zeit und den Stil des Hauses ganz typisches Stück.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Formen wirklich antiken Schmucks noch unbekannt. Weder in der Renaissance, noch im Klassizismus hatten Ausgrabungen echten Schmuck der Alten hervorgebracht. Die Entwürfe dieser Epochen waren lediglich Annäherungen an ein Ideal gewesen, das man sich aus anderen Zusammenhängen wie der Architektur erschließen musste. Mit der Entdeckung echten etruskischen Schmucks ab den 1820er Jahren in Italien änderte sich dies schlagartig. Prinzessin Alexandrine von Canino etwa war dafür bekannt, gern einige auf ihrem Landsitz bei Rom gefundene original etruskische Schmuckstücke zum Neid ihrer Freundinnen zu tragen. Doch die Zahl der Stücke, die ja alle Zufallsfunde waren, bleib gering und originalen, Jahrtausende alten etruskischen Schmuck konnte weiterhin nur ein Bruchteil der Damen besitzen. Daher begannen die Goldschmiede jener Jahre schon bald, Schmuckstücke nach nun endlich bekannten antiken Formen herzustellen. Besonders Pio Castellani aus Rom und seine Söhne taten sich hier hervor und gestalteten Schmuck, der ab der Mitte des Jahrhunderts zu einem in ganz Europa bekannten Markenzeichen und einer wahren Mode wurde. Doch auch andere Juweliere wie Marchesini in Florenz und Rom oder Giacinto Melillo in Neapel stellten Schmuck in diesen Formen her; ihnen folgten in Frankreich Eugène Fontenay und Jules und Louis Wièse, um nur einige zu nennen. In Deutschland und Österreich entstanden entsprechende Stücke ab den mittleren 1860er Jahren. Zum Schmuck der Castellani vgl. ausführlich Susan Weber Soros/Stefani Walker (Hg.): Castallani and Italian Archaeological Jewelry, New Haven/London 2004.

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