Gegen alle Hindernisse

Zartes Armband aus Berliner Eisen mit Darstellung der Psyche, um 1830

Eine große Liebe entgegen allen Hindernissen – diese romantische Idee gibt nicht erst heute den Stoff für’s Kino. Schon im Altertum begegnen uns Mythen, welche diesen Handlungsfaden in immer neuen Konstellationen durchspielen. Doch vor allem im 19. Jahrhundert wurde die große Liebe das Ideal der Epoche. Die eng geschnürten Damen und von Stehkrägen belagerten Herren der sittenstrengen Zeit erhoben die einzige, große Liebe gegen alle Widerstände zum Ideal – auch wenn die Realität – vielleicht – nicht immer ganz so eineindeutig war... Die hier vorliegende Armband aus Berliner Eisen ist genau diesem Thema gewidmet. Wir sehen Psyche, die schöne Königstochter, in einem plastischen Relief auf der Schließe. Vor einem Hintergrund aus poliertem Stahl blickt sie und aufmerksam entgegen. Ihre Schmetterlingsflügel helfen sie eindeutig zu identifizieren. Diese Ikonographie stammt aus dem Griechischen, denn Psyche bedeutet sowohl Seele als auch Schmetterling. Die Königstochter Psyche entfachte durch ihre große Schönheit den Neid der Venus. Als sich dann auch noch ihr Sohn, Amor, der Liebesbote, in die Sterbliche verliebte, übertrug Venus der Unglücklichen mehrere gefährliche Aufgaben. Doch entgegen aller Erwartungen meisterte Psyche die Prüfungen mit der Hilfe ihres Geliebten, der sich über die Befehle seiner Mutter hinwegsetzte. Schließlich hatte der oberste Gott Jupiter Mitleid mit dem Paar. Er ließ Psyche einen Becher mit Ambrosia reichen und macht sie dadurch unsterblich, so dass sie in den Olymp aufgenommen wurde. Im Zusammenhang mit dem aus Eisen gegossenen Armband ist die Wahl der Psyche besonders interessant. Schmuck aus Berliner Eisen, dem sog. „Fer de Berlin“, ist ursprünglich zur Zeit der Napoleonischen Kriege entstanden. Als eine patriotische Geste sollte er jene preussischen Damen schmücken, welche ihren Goldschmuck an das Vaterland gegeben hatten, um den Kampf gegen Frankreich zu unterstützen. Nach dem Ende der Herrschaft Napoleons blieb der Eisenschmuck dann noch lange aktuell: Als eine mahnende Geste gegen die verheerenden Kriege, welche Europa die letzten Jahre in Atem gehalten hatten – und als eine Schmuckgattung aus ganz eigenem, künstlerischem Recht. Das hier vorliegende Armband ist ein schönes Zeugnis für einen solchen Schmuck. Es ruft zum einen den Kampf gegen Napoleon ins Gedächtnis, zum anderen den Kampf der Psyche für ihre Liebe: Beides große Kämpfe, welche gegen die zunächst unüberwindbaren Widerstände (den stets siegreichen Kaiser der Franzosen und die unsterblichen Götter!) zuletzt doch zu einem guten Ende fanden. Sollte das Armband da seiner Trägerin nicht Hoffnung geben, ebenso erfolgreich zu sein? Das Armband ist, so zeigen es Vergleiche mit in der Literatur publizierten Schmuckstücken, in den Jahren um 1830 entstanden. Ein Haarschmuck im Besitz des Stadtmuseums Berlin trägt links der Mitte einen zweiten Guss desselben Reliefs der Psyche und auf die Jahre um 1830 datiert. Es ist publiziert bei Eisen statt Gold. Preußischer Eisenkunstguss aus dem Schloß Charlottenburg, dem Berlin Museum und anderen Sammlungen, hg. v. Willmuth Arenhövel, ua., Berlin 1982, S. 147, Kat. Nr. 298. Wir bilden die entspr. Seite mit ab.

Zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts initiierte die preussische Prinzessin Marianne eine Aktion, die unter der Parole „Gold gab ich für Eisen“ zur Verteidigung des von Frankreich bedrohten Heimatlandes beitragen sollte: In einem großen Prozessionszug auf der Prachtstraße Unter den Linden in Berlin brachten die Damen der Gesellschaft ihren Goldschmuck dem König als Geschenk dar. Mit dem so gesammelten Gold sollte der Kampf gegen Napoleon und seine Truppen finanziert werden; im Gegenzug erhielten die Spenderinnen im Tausch gegen ihre goldenen Preziosen Schmuckstücke aus gegossenem Eisen, die so fortan mit Stolz trugen. Dieser neue Bedarf an Eisenschmuck, der zuvor nur als Trauerschmuck verwendet worden war, zog die Gründung der Berliner Eisengießerei nach sich. Der Goldschmied Conrad Geiss ließ hier zahlreiche Entwürfe des Klassizismus zur Ausführung kommen. Der Berliner Eisenschmuck, das „Fer de Berlin“, mit seinen klaren Konturen und seiner zurückhaltenden, dunklen Farbe entsprach dabei dem Geist des Klassizismus. Mit ihm wurde dem aufwendigen Diamantpomp des 18. Jahrhunderts eine Alternative entgegengesetzt, die bürgerliche Tugenden wie Bescheidenheit, Zurückhaltung und Bildung Ausdruck gab. Doch nicht nur in Berlin wurden in diesen Jahren Schmuckstücke aus Eisen hergestellt, auch in Schlesien, in der neutralen Schweiz und später selbst in Frankreich wurden Schmuckstücke aus diesem Werkstoff gefertigt: Das geschwärzte Eisen war Mode und salonfähig geworden. 1851 schließlich wurden Schmuckstücke aus Fer de Berlin auch auf der Weltausstellung in London ausgestellt und ausgezeichnet. Vgl. Elisabeth Schmuttermeier: Schmuck aus Eisen, in: Berliner Eisen. Die königliche Eisengießerei Berlin. Zur Geschichte eines preussischen Unternehmens, hrsg. v. Charlotte Schreiter / Albrecht Pyritz, Berlin 2007, S. 227–240, sowie die entsprechenden Kapitel in Brigitte Marquardt: Schmuck. Klassizismus und Biedermeier 1780-1850. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1983.

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