Römische Erinnerung

Armband aus Haar mit Schließe aus Gold & Mikromosaik, um 1820

Reisen war zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine beschwerliche und oftmals sogar gefährliche Angelegenheit. Die Straßen waren schlecht und die Postkutschen kaum gefedert. Eine Reise über die Alpen ins sonnige Italien war daher eine Strapaze (ganz abgesehen von den Kosten), die nur wenige auf sich nahmen. Kein Wunder das eine solche Reise etwas ein Ereignis war auf das man stolz zurückblickte und dessen Erinnerung man durch Souvenirs wach halten wollte. Zu den klassischen Mitbringseln aus der Stadt Rom gehörten Mikromosaike, an denen die Daheimgebliebenen den Italienreisenden später erkennen konnten. Ein feines Mikromosaik in Form eines Blumenkorbes schmückt auch die Goldschließe des vorliegenden Armbands aus der Epoche des Biedermeier, das in den Jahren um 1820 entstanden ist. Drei zarte Stränge aus kastanienbraunem Haar bilden das eigentliche Band und überraschen durch ihre kunstvolle Flechtung. Wir wissen nicht wem diese Haare einst gehörten und wem er als Liebesgeschenk einst überreichte. War es eine Frau in der nordalpinen Heimat, die mit ihnen ein Mitbringsel aus der Ewigen Stadt vervollständigen wollte? Oder war es gar eine Römerin, die ihr Haar einem Reisenden schenkte, der sein Herz in der Stadt am Tiber verlor? Die Antwort bleibt wohl für immer im Dunkel der Geschichte verborgen...

Der Ursprung der Kunst des Mikromosaiks liegt im Rom. Hier, genauer im Vatikan, bestand seit dem 16. Jahrhundert eine Werkstatt für Mosaike aus Glassteinen. Zunächst um die im Petersdom aufgestellten Altargemälde in dauerhafter Form gegen Kerzenruß, Feuchtigkeit und Dreck zu schützen, welche die vielen Pilger in die Kirche brachten. Später, nachdem diese Aufgabe dann abgeschlossen war, entstanden weiterhin Gemäldekopien sowie Landschaftsdarstellungen in Gemäldegröße. Die Idee, diese letztlich antike Technik auch für Schmuckstücke und zur Dekoration kunstgewerblicher Gegenstände zu nutzen, entstand zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen der Grand Tour erreichten zahllose Reisende aus Nordeuropa die Stadt und erzeugten eine große Nachfrage nach Souvenirs. Nicht zuletzt um diesen Markt zu bedienen, entstand eine ganz neue Kunstform: Mikromosaike sind klein und transportabel und eigneten sich daher ganz besonders dazu, mit in die Heimat im Norden genommen zu werden. Da sie außerdem meist die Schönheiten Roms oder Motive aus der Antike zeigen, verwundert ihr Erfolg als Reiseerinnerung kaum. Die „Erfindung“ des Mikromosaiks verbindet sich vor allem mit Giacomo Raffaelli und Cesare Aguatti, welche um das Jahr 1775 herum diese Technik perfektionierten. Sie begründeten eine Tradition, aus der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mosaike mit einem derartigen Detailreichtum und Kunstfertigkeit entstanden, welche nie zuvor und auch nicht mehr danach erreicht wurde. Denn bis heute werden in Rom entsprechende Mosaike hergestellt, wenn auch in deutlich minderer Qualität.

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