Die kuhäugige Hera

Goldgefasste antike Muschelgemme als Brosche, Italien um 1860

Schönheitsideale wechseln im Laufe der Zeiten. Was vor einigen Jahrhunderten noch begehrenswert war, scheint heute manchmal gar nicht mehr aktuell. So war eine gesunde Gesichtsfarbe im Klassizismus ein Zeichen von Armut; allein eine fahle Bleiche galt als wunderschön. Im Barock setzte Peter Paul Rubens mit seinen fülligen Damenbildnissen, die mit reichem Körperfett zu überzeugen suchen, den Rahmen für das Schönheitsideal seiner Epoche, wo heute die westliche Welt nach Schlankheit hungert. Doch mit den sich wandelnden Idealen wandeln auch die Komplimente. Heute gilt die Bezeichnung „Kuh“ für eine Dame als wenig schmeichelhaft. In der klassischen Antike war die Wertung des Milchtieres in Bezug auf das schöne Geschlecht eine gänzlich andere. So ist einer der Beinamen der Hera, eine der wichtigsten Göttinnen des olympischen Götterhimmels, „βοῶπις“ (boopis), „die Kuhäugige“. Und das war durchaus als Kompliment gemeint, denn Kühe haben mitunter wirklich schöne und vor allem große Augen! Die schöne Brosche der Jahre um 1860 zeigt eine fein geschnittene Kamee aus zweifarbiger Muschelschale. Dargestellt ist eben jene „Kuhäugige“ mit fein abgestuften Höhen. Zu erkennen ist Hera an ihrem Diadem, der sog. Stepháne (griechisch στεφάνη), die sie als verheiratete Frau auszeichnet. Auf unserer Muschelgemme sehen wir Hera im Profil nach rechts. Sie trägt ein antikes Gewand, den Peblos, der uns die Mode des Altertums vor Augen führt. Die schöne Fassung aus fein verarbeitetem Gold zeigt sich mit feinen Kordelbelötungen im sog. Etruskischen Stil. Eine rückseitige Broschierung macht die Gemme als Brosche zu tragen. Die Kamee hat sich in ihrem originalen Etui des Juweliers Francis Bott aus Chester sehr gut erhalten. Fassung, Verarbeitung und Formensprache lassen uns das Stück in die Zeit um 1860 datieren.

Ein heute eher vergessenes Kapitel der Schmuckgeschichte sind die vielen durch die Jahrhunderte gebrauchten Ersatzmaterialien für die teuren Edelmetalle Gold und Silber. Die Namen dieser Erfindungen sind dabei Legion, vielleicht haben Sie schon einmal von Tombak gehört oder Alpacca, Neusilber oder auch Argentan? Im 19. Jahrhundert wurde Gold häufig durch Messing, also Legierungen aus Kupfer und Zink, ersetzt. Der Londoner Uhrmacher Christopher Pinchbeck (ca. 1670 – 18. November 1732) erfand eine besondere, nach ihm benannte Legierung, deren Farbe dem Gold besonders nahe kam und fortan vor allem in England besonders populär wurde.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.