Es war die Zikade, und nicht die Lerche!

Außergewöhnliche Novelty-Brosche in Form einer Zikade, um 1900

Der Gesang der Zikaden ist geradezu synonym mit warmen Nächten im Süden: Kaum ein Abend vergeht, ohne dass man jenes flirrende Geräusch vernimmt, mit welchem die geflügelten Insekten ihre Artgenossen anlocken. Denken wir an laue Sommerabende unter Zypressen und duftenden Citrusbäumen, an guten Wein auf einer italienischen Terrasse, vielleicht mit dem Blick aufs Wasser, so haben wir sogleich das Zirpen der Zikaden im Ohr. Zu einer solchen Vorstellung verführt auch die vorliegende Brosche, die eine überlebensgroße Zikade in kostbaren Materialien darstellt. Große Perlschalen mit irisierendem Lüster bilden die Flügel, umgeben von blauen Saphiren in verschiedenen Farbabstufungen. Kleine Diamanten im Rosenschliff setzen glänzende Akzente auf dem samtig schimmernden Körper, während zwei Cabochons aus tiefroten Rubinen dem kostbaren Insekt einen aufgeweckten Blick verleihen. Trotz der schweren, massiven Ausarbeitung in Gold kann das Schmuckstück dank einer Sicherheitsbroschierung sorglos getragen werden. Sog. Novelty-Schmuck in unerwarteten figürlichen Formen war um die letzte Jahrhundertwende herum äußerst beliebt. Vögelchen ließen sich auf Schaukeln nieder, Fuchsköpfe zierten Reversnadeln und auch Gegenstände des alltäglichen Lebens wurden zum Schmuckmotiv erhoben. Seit den 1890er Jahren trugen die Damen zudem mit Vorliebe Broschen in Form edelsteinbesetzter Insekten: Schmetterlinge, Nachtfalter und Fliegen finden wir häufiger, Zikaden dagegen sind selten. Unser Exemplar ist in der Zeit um 1900 entstanden. Das ungewöhnliche Schmuckstück wurde seit seiner Fertigung vor über einem Jahrhundert stets in Ehren gehalten, sodass es auch heute noch gut erhalten und tragbar ist. Ob es bald seine nächste Trägerin an grauen Tagen an laue Sommernächte denken lässt – oder von dieser gar selbst in den Urlaub in südliche Gefilde entführt wird?

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine neue, nie zuvor gesehene Art von Schmuckstücken: Sogenannte „Novelty Jewellery“ sorgte durch neue, überraschende und bis dato undenkbare Formen und Materialzusammenstellungen für Furore: So ließen sich mit einem Mal Vögelchen auf Schaukeln nieder und wurden zu Ohrgehängen. Viele Gegenstände des täglichen Lebens fanden ihren Weg an das Revers der Damen und Herren, wie Tennis- und Golfsschläger sowie Briefmarken, doch auch die technische Welt fand in dieser Mode ihren Niederschlag. Maschinen, Automobile en miniature und auch das neuartige Telefon bildeten überraschende Blickpunkte. Sinn und Zweck dieser Stücke war es, in Gesellschaft für Anknüpfungspunkte zum Gespräch zu sorgen. Bei Geburtstagsfeiern konnte eine Brosche mit dem Geburtsjahr der oder des Gefeierten eine sympathische Geste sein, bei gemeinsamen Ausflügen zur Jagd eine Fuchsbrosche dem Rahmen entsprechend die Garderobe ergänzen. Sogar durch Batterien aus den Augen leuchtende Totenschädel wurden angeboten, um bei einer Dinnerparty einen makabren, aber doch heiteren Akzent zu setzen. Dabei handelte es sich bei den Schmuckstücken nicht ausschließlich um Modeschmuck. Viele Stücke waren natürlich für den einmaligen Gebrauch konzipiert und aus preiswerten Materialien hergestellt. Die immer weiter fortgeschrittene Industrialisierung auch im Schmuckbereich erlaubte mit einem mal die massenweise Herstellung von vergoldeten und auch nur goldfarbenen Broschen und Anhängern. Doch auch namhafte Goldschmiede schufen kleine Novelty-Stücke aus kostbaren Metallen, besetzt mit edlen Steinen, denn die Mode des Kuriosen, Überraschenden und Heiteren lebte in allen Schichten der Gesellschaft: Tatsächlich nahm die königliche Familie in Großbritannien hier sogar eine Vorreiterrolle ein - und setzte mit ihrem Juwelengebrauch den Maßstab, an dem sich ihre Untertanen dann messen lassen wollten. Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie bei Charlotte Gere / Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London 2010, S. 190-247.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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