Ein barockes Rätsel

Historisches Turban- bzw. Hut-Ornament, Spanien, 17. Jh.

Auf der iberischen Halbinsel entwickelte sich im Zeitalter des Barock eine besonders prächtige Formensprache des Schmucks, die sich durch eine dichte, beinahe überbordende Ornamentik mit Rankenwerk sowie den reichen Besatz mit in der Regel gleichen Edelsteinen auszeichnete. Auch das vorliegende Stück entspricht gänzlich dieser Ästhetik – und lässt sich stilistisch nach Spanien verorten, wo wir es auch gefunden haben. Insgesamt 70 Bergkristalle und farblose Topase, darunter sehr hohe Rosenschliffe, besetzen das Schmuckstück allüberall. Geschwungene Ranken und Blätter scheinen aus einer Vase am unteren Ende des Entwurfs herauszuwachsen. Hier versteckt sich sogar eine sich plastisch abhebende Tierfigur, vermutlich ein Reh. Das Schmuckstück ist mit einer langen, kräftigen Nadel ausgestattet und somit für schweren, drapierten Stoff gedacht. Iberische Korsagenornamente jener Zeit sind breiter, kompakter, unseres ist jedoch von schlanker, länglicher Form. Daher liegt eh nahe, dass es dazu gedacht war, an der Kopfbedeckung getragen zu werden. Barocke Hut-Ornamente wurden oft zur Jagd getragen, was das applizierte Reh erklären würde. Sonst an Hut-Agraffe jener Zeit übliche, kleine Kanäle zum Einstecken von Reiherfedern in das Schmuckstück finden sich hier allerdings nicht. Denkbar ist auch, dass das Stück einst als Turban-Ornament gedacht war. Hierfür sprechen nicht nur die lange Form und Nadel, sondern auch eine Schraube am oberen Ende des Ornaments. Sie könnte mit einer Mutter als Gegenbefestigung im oberen, voluminösen Teil des Turbans dafür gesorgt haben, dass das Ornament nicht kippen konnte. Auf einem Gewand hingegen würde solch eine Schraube sehr störend wirken. Schon im 17. Jahrhundert war Europa von einer Orientmode ergriffen worden. Rembrandt und Jan Lievens etwa stellten in den 1630er Jahren mehrere Männer im orientalischen Kostüm und mit geschmücktem Turban dar, eine Mode, die auch in adligen Kreisen weit verbreitet war. Hiermit war keine spezifische türkische, indische oder persische Tracht gemeint – vielmehr strebte man einen vage „orientalischen“ Eindruck an. Diesem Eindruck entspricht auch das vorliegende Schmuckstück. Details der Ornamentik und auch die Verarbeitung entsprechen indes anderen bekannten spanischen Schmuckstücken des 17. Jahrhunderts (wie etwa diesem Armband im Met Museum, Inv.-Nr. 15.61.2), und so stellt das Stück einen durchaus plausiblen, wenn auch ungewöhnlichen und dadurch seltenen Vertreter der Orientmode jener Zeit dar.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.


5 Gründe, die Sie zum Strahlen bringen!

Noch keine Artikel angesehen