Hektors Abschied

Klassizistische Muschelkamee in Gold, um 1800

All mein Sehnen will ich, all mein Denken In des Lethe stillen Strom versenken, Aber meine Liebe nicht. Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern, Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern, Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht. So spricht Hektor, eine Gestalt aus Homers Epos Ilias, in Friedrich Schillers Gedicht „Hektors Abschied“ (1781). Hektor ist vor seinem jüngeren Bruder Paris der älteste Sohn des Königs von Troja, Priamos. Er ist der wichtigste Held und Heerführer Trojas im Trojanischen Krieg und lässt an dieser Stelle Frau und Kind zurück, um sich dem Kampf zu stellen. Es ist ein Abschied ohne Wiederkehr, denn wenig später er wird durch eine List Athenes gestellt und getötet – eine Ahnung seines Schicksals klingt bei Schiller bereits in der letzten Zeile durch... Homer wie auch Vergil in seiner Aeneis beschreiben Hektor als edlen Helden. Darauf basieren viele spätere idealisierte Darstellungen, die Hektor als eine Symbolfigur der Ritterlichkeit sehen. So wurde er im Mittelalter in die Reihe der Neuf Preux, der neun kühnen Ritter aufgenommen, u. A. neben Caesar und Alexander dem Großen. Im 19. Jahrhundert feiern zahlreiche Gemälde und Skulpturen besonders die Abschiedsszene, mit ihrem zerreißenden Spagat zwischen der Vaterlandsliebe und der Liebe zu seiner Frau und seinem Sohn – wobei zuletzt das Pflichtgefühl über die Liebe siegt. Die hier vorliegende Muschelkamee zeigt dieselbe Szene. In fein abgestuftem, detailliertem Schnitt sehen wir in der Mitte Hektor, der sich von Frau, Kind und Magd abwendet, um mit den Pferden vor die Mauern der Stadt zu ziehen. Die Pferde sind bereits unruhig und zeigen die Dynamik der Szene an, alles drängt nach links, die Gesten der Frauen sind absehbar ohne Wirkung auf den Helden. Die schöne Arbeit in ihrer breiten Rahmung aus hochkarätigem Gold ist in den Jahren um 1800 entstanden. Ein Sicherungskettchen mit Nadel wurde in früherer Zeit der Brosche hinzugefügt, sodass sie sorglos getragen werden kann.

Antike Gemmen und Kameen zu besitzen war über Jahrhunderte der Anspruch beinahe aller großen kunstgewerblichen Sammlungen und Wunderkammern, vom Grünen Gewölbe in Dresden angefangen über die Schatzkammer Rudolf II. bis hin zu großen privaten Sammlungen wie die des Baron von Stosch in späterer Zeit. Das 18. und 19. Jahrhundert brachte zahlreiche große Abdrucksammlungen antiker Siegelsteine und Gemmen hervor, die die antike Bildsprache der antiken Glyptik beinahe in ihrer Gesamtheit darstellen konnten, waren sie doch auch Ausdruck einer humanistischen Bildung. Oft waren Figuren des olympischen Götterhimmels oder mythologische Szenen das Thema der Darstellungen. In besonderem Maße wichtig für die Vermittlung von Stein- und Muschelschnitten nördlich der Alpen waren seit jeher Italienreisende, die Abdrücke und geschnittene Steine sowie gravierte Muscheln von ihren Bildungsreisen nach Hause brachten um sich an den Gecschichten, die die Muschelschalen erzählen konnten zu erfreuen. Die Kunst des Gemmenschneidens hat bis heute in Italien, besonders in der Bucht von Neapel erhalten, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute ist die Scuola dei Cammei in Torre del Greco die weltweit einzige groß angelegte Ausbildungsstätte für Gemmenschneider in Italien, wobei sich jedoch leider die mythologische Themenwelt verloren hat.

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Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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