Die Unzertrennlichen

Erstklassiges Mikromosaik in einer eleganten Goldbrosche, Rom um 1840

Zwei bunte Vögel sitzen eng aneinander gekuschelt auf einem Zweig. Blau, grün, rot ist ihr Gefieder. Vor dem weißen, leuchtenden Himmel sind ihre Farben eine wahre Augenfreude. Frühlingshafte Blüten in eigenen kleinen Feldern inmitten der dunkelroten Rahmung nehmen die Farben der Gefieder auf und bereichern den Anblick zusätzlich. Die hier vorliegende Brosche präsentiert diese Szene im Medium des Mikromosaiks, eines Mosaiks aus winzigen Glassteinchen, welche eine Spezialität römischer Kunsthandwerker des 19. Jahrhunderts waren. Schmuck, doch auch Briefbeschwerer und kleine Bilder waren ein beliebtes Souvenir jeder Reise in die Ewige Stadt am Tiber. Das hier vorliegende Mosaik ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Das sehr feine, kleinteilige Mosaik spricht für diese frühe Entstehung. Die Papageien der Darstellung sind nicht zufällig gewählt. Papageien, besonders die heute noch so genannten Unzertrennlichen, galten und gelten als Beispiele treuer Liebe, da sie ihrem Partner ein Leben lang treu bleiben. Dass diese Bedeutung hier gemeint ist, zeigt auch die breite Fassung aus Gold. Sie ist in Form einer niemals endenden Kette gestaltet – ebenso ein Symbol unendlicher Liebe. Die romantische Brosche ist sehr gut erhalten. Wir haben sie in Budapest entdeckt, wohin sie vor nicht allzulanger Zeit importiert wurde. Sie trägt daher eine moderne ungarische Goldpunze. Vgl. zur Datierung die bei Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L’arte del micromosaico fra ’700 e ’800, Mailand 2001, S. 70–78, abgebildeten Schmuckstücke mit entsprechender Motivik.

Der Ursprung der Kunst des Mikromosaiks liegt in Rom. Hier, genauer im Vatikan, bestand seit dem 16. Jahrhundert eine Werkstatt für Mosaike aus Glassteinen. Zunächst um die im Petersdom aufgestellten Altargemälde in dauerhafter Form gegen Kerzenruß, Feuchtigkeit und Dreck zu schützen, welche die vielen Pilger in die Kirche brachten. Später, nachdem diese Aufgabe dann abgeschlossen war, entstanden weiterhin Gemäldekopien sowie Landschaftsdarstellungen in Gemäldegröße. Die Idee, diese letztlich antike Technik auch für Schmuckstücke und zur Dekoration kunstgewerblicher Gegenstände zu nutzen, entstand zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen der Grand Tour erreichten zahllose Reisende aus Nordeuropa die Stadt und erzeugten eine große Nachfrage nach Souvenirs. Nicht zuletzt um diesen Markt zu bedienen, entstand eine ganz neue Kunstform: Mikromosaike sind klein und transportabel und eigneten sich daher ganz besonders dazu, mit in die Heimat im Norden genommen zu werden. Da sie außerdem meist die Schönheiten Roms oder Motive aus der Antike zeigen, verwundert ihr Erfolg als Reiseerinnerung kaum. Die „Erfindung“ des Mikromosaiks verbindet sich vor allem mit Giacomo Raffaelli und Cesare Aguatti, welche um das Jahr 1775 herum diese Technik perfektionierten. Sie begründeten eine Tradition, aus der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mosaike mit einem derartigen Detailreichtum und Kunstfertigkeit entstanden, welche nie zuvor und auch nicht mehr danach erreicht wurde. Denn bis heute werden in Rom entsprechende Mosaike hergestellt, wenn auch in deutlich minderer Qualität. Vgl. zur Technik und Geschichte des Mikromosaiks die einschlägige Literatur: Maria Grazia Branchetti: Mosaici minuti romani, Rom 2004, mit vielen Arbeiten Giacomo Raffaellis, sowie Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L’arte del micromosaico fra ’700 e ’800, Mailand 2001.

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