Eine vielgestaltige Gottheit

Klassizistische Muschelgemme des Zeus in Goldfassung, Italien um 1820

Gemmen des 19. Jahrhunderts sind eine Klasse für sich. Während in den Jahrhunderten zuvor Gemmen in Kabinetten verwahrt wurden und nur von wenigen, privilegierten Personen bewundert werden konnten, wurden sie nun gemacht, um getragen zu werden. Als transportable Skulpturen waren sie für alle sichtbar und zeugten von Geschmack und Bildung ihrer Trägerinnen. Die hier vorliegende, ungewöhnliche Muschelgemme zeigt uns den mächtigsten aller Götter des Olymp, den Gott Zeus. Als Ausweis seiner Macht hält er ein Bündel Blitze in der Hand und thront in muskulöser Nacktheit auf seinem Thron. Sein bärtiges Antlitz ist klassisch schön, mit griechischem Profil und voll männlichem Charme. Wir sehen den Herrscher des Olymp hier jedoch tatsächlich zweimal dargestellt, denn eine seiner Eigenschaften ist das Wechseln seiner Gestalt: Der mächtige Adler neben der Männerfigur ist niemand anderes als Zeus selbst in anderer Erscheinung. Auch der Adler hält ein Blitzbündel als Ausweis seiner Herrschaft über das Wetter, den Regen und die Gewalt der Natur. Der vermutlich neapolitanische Gemmenschneider, der in den 1820er Jahren dieses Kunstwerk schuf, orientierte sich bei der Darstellung des Göttervaters offensichtlich an Vorbildern, wie sie sich in den berühmten Antikensammlungen der Stadt in großer Zahl fanden. In den verschiedenen Legenden begegnet uns Zeus mal als Stier, der die Europa entführt, mal als Adler, der sich von Ganymed mit Nektar und Ambrosia stärken lässt oder auch als Goldregen oder Schwan um Danae bzw. Leda zu schwängern. Eine vielgestaltige Persönlichkeit also! Zugleich überrascht die Kamee mit einem Detailreichtum, wie wir ihn selten gesehen haben. So fein abgestuft sind die Figuren, so akribisch die Perspektive, so zart die Gravur im Bereich der fein abgestuften Höhen, dass man glauben könnte, eine Zeichnung vor sich zu haben. Ein staunenswertes Werk im Relief auf der nur geringen Materialtiefe der Muschelschale. Die Fassung der Muschel, welche sie als Brosche tragbar werden lässt, ist aus Gelbgold geschmiedet und aufwändig verziert. Vermutlich in Italien gearbeitet, lässt uns ihre Formgebung und die feine Verarbeitung das Stück auf die Jahre um 1820 datieren. In dieser Zeit erfuhren Cannetille-Goldschmiedarbeiten wie diese den Höhepunkt ihrer Beliebtheit. Ein museales, wunderschönes Schmuckstück in sehr guter Erhaltung, welches einen Ehrenplatz in jeder Sammlung genießen sollte!

Antike Gemmen und Kameen zu besitzen war über Jahrhunderte Anspruch beinahe aller großen Sammlungen: Wir finden spektakuläre Stücke ebenso im Grünen Gewölbe in Dresden, in der Schatzkammer Rudolf II. bis hin zu den großen privaten Sammlungen wie der des Baron Stosch in späterer Zeit. Das 18. und 19. Jahrhundert brachte zahlreiche große Abdrucksammlungen antiker Siegelsteine und Gemmen hervor, welche die antike Bildsprache der Glyptik beinahe in ihrer Gesamtheit darstellen. So waren sie nicht zuletzt auch Ausdruck einer humanistischen Bildung. In besonderem Maße wichtig für die Vermittlung von Stein- und Muschelschnitten nördlich der Alpen waren seit jeher Italienreisende, die Abdrücke und geschnittene Steine sowie gravierte Muscheln von ihren Bildungsreisen nach Hause brachten um sich an den Geschichten, die die Muschelschalen erzählen konnten zu erfreuen. Die Kunst des Gemmenschneidens hat bis heute in Italien, besonders in der Bucht von Neapel erhalten, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute ist die Scuola dei Cammei in Torre del Greco die weltweit einzige professionelle Ausbildungsstätte für Gemmenschneider, wobei sich jedoch leider die mythologische Themenwelt als Sujet beinahe ganz verloren hat.

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