Morgenröte

Feine Muschelgemme mit Darstellung der Aurora in Gold, um 1840

Eine ungewöhnliche italienische Muschel-Kamee mit einer Darstellung der römischen Göttin Aurora ist hier in Gold gefasst und als Brosche tragbar. In der antiken Mythologie gilt Aurora (griechisch Eos) als Schwester des Sonnengottes Sol und der Mondgöttin Luna und ist die Personifikation des anbrechenden Tages - somit steht sie für den Neubeginn und die Zuversicht. In sehr schönem, detaillierten Schnitt wurde hier die leicht gewölbte, zweifarbige Muschel dazu genutzt, die Göttin der Morgenröte darzustellen. Blumen im Haar und ein zuversichtlicher Blick machen die Darstellung leicht und heiter. Eine Taube mit einem Füllhorn ist ihr als Attribut zugeordnet und steht für die Leichtigkeit des Neuanfangs und das Versprechen einer glücklichen Zukunft. Die vielpassige Fassung aus hochkarätigem Gold ist von Hand graviert. Die Kamee ist möglicherweise ein Souvenir einer Grand Tour durch Italien und sie ist in den Jahren um 1840 entstanden. Die Fassung ist offenbar in England kurze Zeit später hinzugefügt worden. Die Gemme ist perfekt erhalten, die Fassung am unteren Rand in früherer zeit einmal restauriert worden.

Antike Gemmen und Kameen zu besitzen war über Jahrhunderte der Anspruch beinahe aller großen kunstgewerblichen Sammlungen und Wunderkammern, vom Grünen Gewölbe in Dresden angefangen über die Schatzkammer Rudolf II. bis hin zu großen privaten Sammlungen wie die des Baron von Stosch in späterer Zeit. Das 18. und 19. Jahrhundert brachte dann zahlreiche große Abdrucksammlungen antiker Siegelsteine und Gemmen hervor, die die antike Bildsprache der antiken Glyptik beinahe in ihrer Gesamtheit darstellen konnten, waren sie doch auch Ausdruck einer humanistischen Bildung. Oft waren Figuren des olympischen Götterhimmels oder mythologische Szenen das Thema der Darstellungen. In besonderem Maße wichtig für die Vermittlung von Stein- und Muschelschnitten nördlich der Alpen waren seit jeher Italienreisende, die Abdrücke und geschnittene Steine sowie gravierte Muscheln von ihren Bildungsreisen nach Hause brachten um sich an den Gecschichten, die die Muschelschalen erzählen konnten zu erfreuen. Die Kunst des Gemmenschneidens hat bis heute in Italien, besonders in der Bucht von Neapel erhalten, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute ist die Scuola dei Cammei in Torre del Greco die weltweit einzige groß angelegte Ausbildungsstätte für Gemmenschneider in Italien, wobei sich jedoch leider die mythologische Themenwelt verloren hat.

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