Eiserne Spitze

Filigranes Armband aus Berliner Eisen, Conrad Geiss, um 1830

Schmuck aus Eisen, vor allem als „Berliner Eisen“ bekannt nach dem Herkunftsort der qualitätvollsten und frühesten Stücke in dieser Technik, ist als bewussstes Gegenstück zu Gold und Edelsteinen entstanden. Es ist ein Schmuck des Verzichts und der Mäßigung im Angesicht des Krieges gegen Napoleon (Mehr dazu unter „Erfahren Sie mehr...“). Doch wie es mit so vielen guten Vorsätzen ist: Schnell verkehren sie sich ins Gegenteil. Denn so wenig wertvoll das Material auch war und ist, die Kunstfertigkeit der Entwürfe und Ausführung lassen die von den Zeitgenossen europaweit gepriesenen Stücke nicht weniger wertvoll als die schönsten Juwelen erscheinen. Zudem war die Formgebung der Colliers, Broschen und Armbänder durch den Bruch mit der Tradition viel freier als jemals zuvor: Und so haben wir hier, im Medium des Eisens, einen unverstellten, direkten Blick auf die modischen Vorlieben der Zeit von 1813 bis in die 1830er Jahre vor uns. Das hier vorliegende Armband des post-napoleonischen Zeitalters ist ein typisches Schmuckstück aus der Berliner Eisengießerei unter Conrad Geiss, der zahlreiche Entwürfe des Klassizismus und der Neugotik zur Ausführung kommen ließ. Das aus gegossenem Eisen hergestellte Armband oszilliert ebenfalls zwischen diesen Stilen. Kleinere florale Elemente wechseln mit länglichen Gliedern ab, die in an gotischen Maßwerksfenster erinnernde Ornamente auslaufen. Eine aufwändig durchbrochene Kastenschließe hält das Armband sicher am Handgelenk. Die Antike und das Mittelalter – auf diese beiden Pole verweist uns der Entwurf des Armbandes. Sie waren den Zeitgenossen als die beiden Ursprünge der Kunst unmittelbar gegenwärtig. Karl Friedrich Schinkel, der für zahlreiche Schmuckentwürfe in Eisen die Ideen gab, entwarf selbst in diesen beiden Stilen parallel: Für die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin etwa existieren Zeichnungen in beiden, auf den ersten Blick so unterschiedlichen Idiomen. In der Literatur zum Berliner Eisenschmuck lassen sich Vergleiche für die Ornamentik des Armbandes finden (Sie sehen in der Mitte unten beinahe identisches Maßwerk), und so können wir das Stück der Eisengießerei von Conrad Geiss in Berlin zuweisen. Die Datierung auf die Jahre um 1830 belegt die Bildtafel mit Eisenelementen aus der Geiss'schen Produktion bei Brigitte Marquardt: Schmuck. Klassizismus und Biedermeier 1780-1850. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1983, S. 77, Abb. 58.

Zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts initiierte die preussische Prinzessin Marianne eine Aktion, die unter der Parole „Gold gab ich für Eisen“ zur Verteidigung des von Frankreich bedrohten Heimatlandes beitragen sollte: In einem großen Prozessionszug auf der Prachtstraße Unter den Linden in Berlin brachten die Damen der Gesellschaft 1813 ihren Goldschmuck dem König als Geschenk dar. Mit dem so gesammelten Gold sollte der Kampf gegen Napoleon und seine Truppen finanziert werden; im Gegenzug erhielten die Spenderinnen im Tausch gegen ihre goldenen Preziosen Schmuckstücke aus gegossenem Eisen, die sie fortan mit Stolz trugen. Dieser neue Bedarf an Eisenschmuck, der zuvor nur als Trauerschmuck verwendet worden war, zog die Gründung der Berliner Eisengießerei nach sich. Der Goldschmied Conrad Geiss ließ hier zahlreiche Entwürfe des Klassizismus zur Ausführung kommen. Der Berliner Eisenschmuck, das „Fer de Berlin“, mit seinen klaren Konturen und seiner zurückhaltenden, dunklen Farbe entsprach dabei dem Geist des Klassizismus. Mit ihm wurde dem aufwendigen Diamantpomp des 18. Jahrhunderts eine Alternative entgegengesetzt, die bürgerliche Tugenden wie Bescheidenheit, Zurückhaltung und Bildung Ausdruck gab. Doch nicht nur in Berlin wurden in diesen Jahren Schmuckstücke aus Eisen hergestellt, auch in Schlesien, in der neutralen Schweiz, in Wien und später selbst in Frankreich wurden Schmuckstücke aus diesem Werkstoff gefertigt: Das geschwärzte Eisen war Mode und salonfähig geworden. Vgl. Elisabeth Schmuttermeier: Schmuck aus Eisen, in: Berliner Eisen. Die königliche Eisengießerei Berlin. Zur Geschichte eines preussischen Unternehmens, hrsg. v. Charlotte Schreiter / Albrecht Pyritz, Berlin 2007, S. 227–240, sowie die entsprechenden Kapitel bei Brigitte Marquardt: Schmuck. Klassizismus und Biedermeier 1780-1850. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1983, S. 269–311.

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