Herkules und Cacus

Frühneuzeitliche Lagenstein-Gemme in einem Ring der Jahre um 1800

Die Lust, feine und kostbare Gemmen zu sammeln und zu besitzen verbindet alle Zeiten von der Antike bis zur Gegenwart. Schon die „Alten“ (nach Goethes Diktum) sammelten in Stein geschnittene Bildnisse berühmter Männer, Darstellungen der Götter und Szenen aus der Mythologie. Alle späteren Generationen hielten diese Werke in Ehren: Im Mittelalter wurden sogar kostbare Reliquienbehälter zu Ehren der christlichen Heiligen mit diesen kleinen Darstellungen der antiken Götter geschmückt. Mit der Neuentdeckung der Antike in der Zeit der Renaissance erlebten auch Gemmen und Kameen neue Beachtung: Mit einem Mal entstand ein richtiggehender Sammlermarkt und die stets raren antiken Stücke reichten kaum aus, um die Nachfrage zu stillen. Kein Wunder also, dass auch zahlreiche neue Gemmen gefertigt wurden, teilweise von den berühmtesten Künstlern der Zeit. Dabei wurden die neu geschaffenen Objekte teilweise den verehrten alten Stücken gleichgestellt und keinesfalls also mit der Absicht der Fälschung hergestellt (obwohl auch dies natürlich vorkam). In den Jahren um 1800 schließlich wiederholte sich die Geschichte aufs neue. Erneut wurden Gemmen gesammelt, die berühmte Sammlung Fürst Poniatowskis in Rom etwa entstand in diesen Jahren. Auch sie enthielt wiederum antike Gemmen neben neu entstandenen Stücken, die als Ergänzung der Bildwelten und Komplettierung der Sammlung gedacht waren. Doch auch die Gemmen des 16. und 17. Jahrhunderts wurden nun als bereits antike, verehrungswürdige Objekte gesucht. Der hier vorliegende Ring ist ein Objekt dieser Zeit der Gemmenbegeisterung des Klassizismus. Die elegante, antikisierende Fassung aus warm glänzenden Gelbgold fasst einen Lagenachat in braun und weiß. Der Stein zeigt einen Kampf: Es ringen Herkules, der große Held der Antike, und Cacus miteinander, ein böser Riese der Legende. Diesen feuerspeienden Sohn des Vulkan zu bezwingen war eine der kaum lösbaren Aufgaben, welche Herkules auf Beschluss des Orakels von Delphi bestehen musste. Die Gemme ist ausweislich ihres Stils und des kraftvollen Schnitts im 16. oder 17. Jahrhundert entstanden. Zu dieser Zeit erlebte auch der Mythos von Herkules und Cacus große Beliebtheit, wie etwa Baccio Bandinellis Statue vor dem Palazzo della Signoria in Florenz belegt. Die Fassung wurde dann in den Jahren um 1800 neu angefertigt. Zur Geschichte des Gemmensammels, besonders unter dem Aspekt von Alt und Neu, vgl. etwa den schönen Katalog L’antica Manier. Zeichnungen und Gemmen des Giovanni Calandrelli in der Antikensammlung Berlin, hg. von Gertrud Platz-Horster, Berlin/Köln 2005, sowie stets Erika Zierlein-Diehl: Antike Gemmen und ihr Nachleben, Berlin 2007, hier bes. Kap. 21: Wirkungsgeschichte.

Antike Gemmen und Kameen zu besitzen war über Jahrhunderte Anspruch beinahe aller großen Sammlungen: Wir finden spektakuläre Stücke ebenso im Grünen Gewölbe in Dresden, in der Schatzkammer Rudolf II. bis hin zu den großen privaten Sammlungen wie der des Baron Stosch in späterer Zeit. Das 18. und 19. Jahrhundert brachte zahlreiche große Abdrucksammlungen antiker Siegelsteine und Gemmen hervor, welche die antike Bildsprache der Glyptik beinahe in ihrer Gesamtheit darstellen. So waren sie nicht zuletzt auch Ausdruck einer humanistischen Bildung. In besonderem Maße wichtig für die Vermittlung von Stein- und Muschelschnitten nördlich der Alpen waren seit jeher Italienreisende, die Abdrücke und geschnittene Steine sowie gravierte Muscheln von ihren Bildungsreisen nach Hause brachten um sich an den Geschichten, die die Muschelschalen erzählen konnten zu erfreuen. Die Kunst des Gemmenschneidens hat bis heute in Italien, besonders in der Bucht von Neapel erhalten, wo sie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute ist die Scuola dei Cammei in Torre del Greco die weltweit einzige professionelle Ausbildungsstätte für Gemmenschneider, wobei sich jedoch leider die mythologische Themenwelt als Sujet beinahe ganz verloren hat.

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