Paris, ville lumière

Funkelnder, antiker Diamant-Armreif aus Gold aus Paris, um 1890

In Deutschland kennen wir Paris als Stadt der Liebe. In Frankreich hingegen gilt die Metropole an der Seine als Stadt des Lichts, „la ville lumière“. Der Ursprung dieser Bezeichnung liegt im 19. Jahrhundert, als Paris als erste Stadt des Kontinents vom damals neuartigen Gaslicht erleuchtet wurde. Schon um 1830 herum war der Glanz der Passagen bei Nacht in ganz Europa legendär. Und seither leuchtet die Stadt und lockt ihre Besucher. Ein lichtheller Gruß aus Paris ist der hier vorliegende Armreif. Um 1890 entstanden, rettet er ein wenig vom Glanz der Zeit Émile Zolas in unsere Epoche herüber. Seine Schauseite bildet eine Reihe aus funkelnden Diamanten in Fassungen aus Silber. Die qualitätvollen Steine sind ihrer Größe nach angeordnet. Jeder der kissenförmigen Steine ist in eine viereckige Fassung gesetzt und wird nach außen vom umlaufenden Rund des Reifs geschützt. Während der Reif selbst aus leicht rötlichem Gold gefertigt ist, funkelt die Schauseite des Entwurfes damit hell und licht. Die Diamanten im alten Brillantschliff wiegen zusammen mehr als drei Karat. Sie sind weit älter als der Armreif selbst und ausweislich ihrer Form bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschliffen worden: Offenbar wurde hier der Glanz des Paris aus der Frühzeit der Passagen und Flaneure in eine neue, zeitgemäße Fassung gebracht, ganz so wie die Stadt selbst durch die Umgestaltungen von Baron Haussmann ein neues Gesicht erhielt. Der Armreif trägt Pariser Goldpunzen. Wir haben ihn in der Stadt der Liebe entdeckt und nach Berlin gebracht.

In der Antike wurden Diamanten vor allem für ihre unvergleichliche Härte geschätzt. Als Symbole unbesiegbarer Stärke war ihre Schönheit bestenfalls zweitrangig. Tatsächlich erscheinen die frühen Diamanten dem modernen Auge überhaupt nicht attraktiv. Mittelalterliche Schlifftechniken erlaubten ebenfalls keine spektakulären Lichtreflexe und die verbreiteten Tafelschliffe brachten nur Helligkeit und Farbe der Steine zur Geltung. All das änderte sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts. Der Adel des Barock entwickelte eine Vorliebe für glitzernde Edelsteine. Besonders populär waren Diamanten im Rosenschliff, deren vielfältige Facetten das Kerzenlicht wunderbar reflektieren. In der Mitte des Jahrhunderts entwickelte sich ein erster, früher Brillantschliff, der nach dem einflussreichen Kardinal Jules Mazarin als Mazarinschliff bezeichnet wird und sich durch eine Krone mit 17 Facetten auszeichnet. Bereits gegen Ende des Jahrhunderts wurden diese Diamanten dann durch eine neue Form abgelöst, der nach seinem Erfinder als Peruzzi-Schliff benannt ist. Vincenzo Peruzzi war ein Edelsteinschleifer aus Venedig, der die Krone der Diamanten um zusätzliche Facetten auf insgesamt 33 erhöhte und so das Feuer der Steine enorm steigerte. Diese frühen Brillanten waren jedoch, was Anzahl und Form der Facetten angeht, nicht standardisiert. Jeder Stein wurde so geschliffen, dass möglichst viel Substanz erhalten bleiben konnte. Neue Diamantvorkommen in Brasilien führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dann zu einer Schliffform, die als Old Mine Cut bekannt wurde. Diese Diamanten ähneln bereits sehr unseren heutigen Vollschliff Brillanten, doch sollten noch einige Generationen stetiger Entwicklung der Schlifftechnik nötig sein, bis aus dem Old Mine Cut zunächst der Altschliff (oder Old European Cut), und schließlich in den 1940er Jahren der moderne Vollschliff wurde.

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