Georg und der Drache

Großer Anhänger, reich besetzt mit Rubinen, Smaragden & Perlen, um 1880

Das 19. Jahrhundert war vernarrt in die Vergangenheit. Die Gesellschaft änderte sich rapide, die Industrie hatte die einstmals beschaulichen Städte längst in große Metropolen verwandelt und neue Techniken wie der Telegraph brachten die Welt näher zusammen. In dieser Situation sehnten sich die Bürger nach Stabilität und Verlässlichkeit – und schauten auf die Geschichte zurück, um hier Vorbilder zu finden für ihre eigene Zeit. Das Mittelalter, die Zeit der tugendhaften Ritter und mythischer Sagen, übte einen besonderen Reiz aus. In allen Ländern Europas besann man sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf diese Zeit. Aufrichtige, vollbärtige Könige dienten zur Orientierung in der Politik, die Vorstellung adretter Burgfräuleins inspirierte manch ein Kunstwerk: Wir denken etwa an Wagners Tannhäuser und die auf ihn folgende Umgestaltung der Wartburg mit den Fresken von Moritz von Schwindt. Und wer kennt nicht zumindest eine Kirche, oft auch eine Villa oder ein Landhaus in der näheren Umgebung, welches in den Formen der Neu-Gotik errichtet ist? Unser Anhänger, eine große, prachtvolle Arbeit der Jahre um 1880, stammt aus diesem Zusammenhang und zeigt eine berühmte Figur des christlichen Mittelalters, ein wahres Vorbild für die Jugend durch die Jahrhunderte: Den Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen. Der historische Georg war unter Kaiser Diokletian im 4. Jahrhundert hingerichtet worden und wohl einfacher Soldat. Im 12. Jahrhundert entstand jedoch die Legende, Georg sei ein edler Ritter gewesen und habe einen Drachen getötet und dadurch eine jungfräuliche Königstochter gerettet – und wurde damit sofort zu einem der populärsten Heiligen, schon wegen dieser aufregenden Geschichte. Darstellungen Georgs zu Pferde haben sich daher zahlreiche in der Geschichte der Kunst erhalten. Als Schutzheiliger Englands zierte seine Darstellung zahlreiche Münzen. Wappen vieler Städte tragen sein Bild, darunter die von Bamberg, Hattingen und Moskau. Statuen, Fresken und Bilder zeigen seinen Kampf, etwa auf dem Palas von Schloss Neuschwanstein. Und nicht zuletzt unser Anhänger, in einer detailreichen, vollplastischen Szene aus vergoldetem Silber. Wir sehen den Ritter zu Pferde, wie er sein Schwert schwingt, um den Drachen zu seinen Füßen niederzustrecken. Das große Tier windet sich unter den Hufen des Pferdes, sein langer Schwanz schlingt sich um den Rahmen der Szene, sein Maul ist weit aufgerissen. So entsteht eine wunderbare Dynamik, die die aufregende Szene ganz plastisch und spannend vor uns bringt. Kostbare Rubine, Saphire, Perlen und Smaragde besetzen jeden Millimeter der Oberfläche von Reiter, Pferd, Drachen und Tier. Farbiges Email akzentuiert unter anderem den Mantel Georgs zusätzlich. Selbst auf der Rückseite des Stücks hat es sich der ausführende Künstler nicht nehmen lassen, mit weiterem Email den Anhänger noch kostbarer werden zu lassen. Stücke wie dieses waren in den letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts eine große Mode. Kostbar und nur zu besonderen Gelegenheiten getragen, haben sich einige wenige Beispiele erhalten, die stets wertvolle Farbsteine und farbiges Email kombinieren. Beispiele finden sich in den einschlägigen Sammlungen und Publikationen, vgl. etwa mit einer weiteren Georgs-Brosche Brigitte Marquardt: Schmuck des Realismus und Historismus, 1850–1895, München 1998, S. 289.

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Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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