Farben der Verehrung

Großes Amethyst-Kreuz des Biedermeier in mehrfarbigem Gold, 1820er Jahre

Wie eng Politik und Mode, Kunst und die Suche nach Schönheit mitunter verwoben waren (und noch sind), lässt sich unter anderem aus den Umbrüchen des frühen 19. Jahrhunderts lernen. Unter Napoleon Bonaparte folgten die Künstler ganz Europas einem kühlen, eleganten Klassizismus, dessen Verweis auf die römische Antike die Größe des französischen Kaiserreiches feiern sollte. Mit dem Ende seiner oft als Unterdrückung empfundenen Herrschaft nahte auch für diese Kunst ihr Ende: Mit einem Mal blühten wieder nach der Natur entworfene Pflanzen und Blumenformen in Schmuck und Kunstgewerbe, erinnerten sich die Künstler an den warmen, heiteren Stil des Rokoko und setzten so dem herben Empire wärmere, romantische Entwürfe entgegen, die den Bogen spannen sollten in die Zeit vor die Kriege des Korsen. Das hier vorliegende, ausnehmend große Kreuz aus Amethysten und Gold ist ein prachtvolles und zugleich seltenes Zeugnis für diesen Wandel, denn ist so reich und charmant entworfen, dabei großzügig und elegant, dass es uns direkt Entführt in diese Welt, die in Deutschland Biedermeier heißt, ohne kleinlich oder im negativen Sinne „bieder“ zu seien. Die fein detaillierte Arbeit ist aus Gold in drei verschiedenen Legierungen gefertigt. Warmem Gelbgold sind Ornamente aus Grüngold und Roségold aufgesetzt, sodass die Blatt- und Blütenformen eine besondere Naturnähe durch ihre Farbigkeit erhalten. Die Oberflächen sind detailreich bearbeitet, teils glatt poliert, dann wieder samtig schimmernd, graviert oder mit der zeittypischen Cannetille-Technik verziert (Vgl. „Erfahren Sie mehr…“). So entsteht ein reicher Eindruck aus einer Fülle an zarten Modulationen, die zugleich ihren Zusammenhang wahren. In den Kreuzarmen sind vier große, facettierte Amethyste eingesetzt, in der Mitte des Kreuzes schimmern sechs weitere Amethyste sowie ein weißer Topaz. Gerade hier, in der Mitte, war ursprünglich auf der Rückseite wohl eine kleine Reliquie eingesetzt, denn das Kreuz besitzt hier eine runde Aussparung. Wem also das Kreuz dereinst geweiht war, wissen wir leider nicht mehr. Die Schönheit aber feiert es noch heute. Zur Datierung vgl. die bei David Bennet und Daniela Mascetti: Understanding Jewellery, Woodbridge 2010, S. 74f., S. 82f., S. 85, usw. gezeigten Schmuckstücke in den hier eingesetzten Techniken der Cannetille und des mehrfarbigen Goldes.

Schmuckstücke mit Cannetille waren besonders in der Dekade von 1820 bis 1830 populär. Cannetille ist dem Filigran verwandt und besteht üblicherweise aus fein gehämmerten Blechen und Golddrähten. Die verwendeten Formen bestehen hauptsächlich aus Ranken, Spiralen und bienenkorbartigen Elementen, die wie zarte Spitze wirken und häufig mit feinen Granulaten verziert sind. Typisch ist auch die Verwendung von farbenfrohen Edelsteinen wie Aquamarin, Topas oder Chrysoberyll, in Mitteleuropa darüber hinaus auch böhmische Granate, Türkis und Opal. Die Steine wurden zum überwiegenden Teil in geschlossene Fassungen gesetzt und mit einem Folienhintergrund versehen, der ihren Farbton vereinheitlichte. Der Aufstieg des Cannetille fällt in die Zeit der Goldknappheit am Anfang des 19. Jahrhundert, als große Schmuckstücke in Mode waren das Gold aber teuer. Cannetille Schmuck wirkt beeindruckend, verwendet aber nur wenig von dem kostbaren Edelmetall. Vgl. mit zahlreichen Beispielen Ginny Reddington Dawes / Olivia Collings: Georgian Jewellery 1714-1830, Woodbridge 2007, S. 113–116 und David Bennet und Daniela Mascetti: Understanding Jewellery, Woodbridge 2010, S. 82, S. 85, usw.

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