Von Kunst und Handwerk

Handgetriebene, unikate Nadel mit Granat von Alfons Ungerer, Berlin um 1910

Wer würde hier nicht einmal gern einen Schatz entdecken, in staubigen Truhen, versteckt in dunklen Kellergewölben? Ein glücklicher Fund genau dieser Art ist die hier vorliegende Reversnadel. Denn sie hat die letzten rund 110 Jahre in einer Art Dornröschenschlaf verbracht, bis sie uns hier in Berlin als Teil einer ganzen auf diese Weise entdeckten Sammlung angeboten wurde. Die Nadel aus Silber fasst einen schimmernden Granaten im Cabochonschliff. Ein breiter Rahmen mit getriebenem Dekor rahmt den Stein und umgibt ihn mit dekorativen Wellen, welche an Hörner eines Widders oder ein Kapitell erinnern und geben dem Schaustück ein elegantes Spiel von Licht und Schatten. Es ist ein abstrahierter Entwurf, der zur Schau gestellte Handwerklichkeit mit der Suche nach einer neuen Formensprache verbindet: Ganz im Einklang mit den modernen Ideen des Jugendstils, der sich in Berlin in den Jahren nach 1900 sich zu einer ganz eigenen, wiedererkennbaren Kunstsprache entwickelte. Die Nadel stammt aus dem Nachlass von Victor Hillmer, der zu Beginn des Jahrhunderts eine Manufaktur für Metallarbeiten in Berlin betrieb, mit Niederlassungen in der Zossener Straße und der Belle-Alliance Straße. Hillmer lieferte u.a. geschmiedete Gitter für Villen namhafter Architekten wie Bruno Möhring und hochwertige Bronzearbeiten für die Ausstattung vieler weiterer Berliner Häuser der Zeit. Als Mitglied des Deutschen Werkbundes arbeitete er Seite an Seite mit den bekanntesten Künstlern seiner Zeit für eine moderne, zeitgemäße Formensprache in Kunsthandwerk und Warenästhetik. Die Abteilung für die Schmuckwaren und Silberschmiedearbeiten die in Hillmers Werkstätten entstanden, wurde von Alfons Ungerer übernommen, der als junger Goldschmied bei Hillmer seine Ausbildung komplettierte. Der Sohn eines Pforzheimer Schmuckunternehmers wurde mit seinen Entwürfen bei Hillmer schnell berühmt und machte sich mit seinen eigenwilligen Treibarbeiten einen Namen. 1909 erst hatte er sein Studium in Dresden beendet, war dann nach Berlin gezogen um bei Hillmer zu arbeiten und eröffnete schon 1912 seine eigene Werkstatt in Berlin. Später wurde er selbst Mitglied im Werkbund und Professor an der Kunstgewerbeschule in Pforzheim. Ungeres Entwürfe und Schmuckarbeiten ernteten unmittelbare Aufmerksamkeit und Bewunderung. Zahlreiche Zeitschriften berichteten begeistert über seine Schmuckstücke, kaum war er nach Berlin gezogen. Vgl. besonders Fritz Hellwag: Alfons Ungerer, in: Kunstgewerbeblatt, NF 22, H. 4 (1911), S. 69–70, sowie Paul Westheim: Schmuckarbeiten von Alfons Ungerer, in: Dekorative Kunst. Illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst 21 (1913), S. 365–366. Die Nadel hat als Teil einer größeren Sammlung von Arbeiten Ungerers in ihrer originalen Box und mit einer originalen Zeichnung im Nachlass Hillmers die Zeiten überdauert. Sie muss daher in den Jahren zwischen 1909 und 1912 entstanden sein, als Ungerer bei Hillmer arbetete. Hillmer hat sie als Erinnerungen an seinen berühmtesten Mitarbeiter wohl mit Absicht nicht verkauft, sondern in Ehren gehalten. So kam es, dass auch die wunderbare Brosche bis heute ungetragen die Zeiten überdauert hat.

Ein hymnisches Lob auf Ungerer findet sich bei Paul Westheim in Schmuckarbeiten von Alfons Ungerer, in: Dekorative Kunst. Illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst 21 (1913), S. 365–366: Alfons Ungerer... ist ein junger Goldschmied, der sich jetzt daran gemacht hat, Berlin zu erobern. Er kommt aus einer der Zentralen der deutschen Schmuckndustrie, aus Pforzheim. In seinem Vaterhaus hat er schon das Metier üben sehen, dem er sich dann auch verschrieben hat. In seiner Werkstatt sitzt er nun, ersinnt und formt aparte Sachen für Leute, die gefällige Dinge um und an sich haben möchten. Kaum einer ist so abhängig vom Auftraggeber wie der Edelschmied. Findet er nicht den Mann, der ihm große Aufgaben stellt, ihn kostbares Gerät und kostbare Schmuckstücke fertigen läßt, der ihn in Materialien wühlen und aus edlen Stoffen die feinsten und edelsten auswählen und zueinander stimmen läßt, so bleibt ihm nichts übrig, als auf dem Papier zu phantasieren. Er ist wie der Dramatiker, dem man die Bühne versperrt. Er kann nicht wirken, wenn er auch noch so viel Kräfte in sich spürte. Über diesen Punkt müssen wohl alle unsere Goldschmiede einmal hinwegkommen, wenn nicht ein besonderer Glückszufall sie sofort verständnisvolle Förderer finden läßt… Alfons Ungerer hat sich einen Ausweg aus solchen Nöten dadurch zu schaffen gesucht, daß er zum Silber seine Zuflucht nahm und aus diesem bildsamen Metall, das sich so schön mit den neuerdings wieder bevorzugten Halbedelsteinen verbindet, kleinere Schmuckarbeiten fertigte. Zigarettenetuis, Bonbonnieren, Broschen, Gürtelschließen, Anhänger, Manschettenknöpfe, das wären so die Dinge, denen er durch eine aparte und gewandte Handarbeit individuelle Form zu geben versuchte. Er liebt es, aus der Silberfläche eine launige und lebhaft bewegte Ornamentik zu treiben. Es sind Stilisierungen, die sich ganz im Rahmen der Geschmacksanschauungen bewegen, denen die modernen Geister innerhalb unseres Kunstgewerbes huldigen. Der Artikel ist online einzusehen in der Datenbank des Münchener Digitalisierungszentrums der BSB.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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