Sommerzeit

Herrliches, antikes Collier aus italienischer Sciacca-Koralle in drei Reihen, um 1900

Im August jeden Jahres feierte die Baronin von Üchtlitz auf Schlochtin ihren Geburtstag mit einem Sommerfest. Neben dem Schloss, auf der großen Wiese, stand ein Lindenwäldchen, „dort sollte der Tee genommen werden. Die Wiese und das Wäldchen waren voll Menschen, voll bunter Kleider, bunter Bänder, bunter Hüte, und in dem Grün des Gehölzes, in dem Gold der Nachmittagssonne nahmen all die Farben einen Edelsteinglanz an.“ Die beiden jungen Prinzessinnen von Neustatt-Birkenstein fuhren mit dem Landauer vor: Sie trugen blaue Sommerkleider, Korallenschnüre um den Hals. In seinem letzten großen Roman, den „Fürstinnen“ aus dem Jahr 1917, ließ Eduard von Keyserling noch einmal die ganze Pracht und den Glanz des Adels im alten Reich auferstehen – doch scheint mit jedem Sonnenstrahl bereits das Ende der vertrauten Ordnung durch. Ganz selbstverständlich ist es hier, beim Sommerfest der Baronin, Korallenketten zu tragen. Denn diese Juwelen des Meeres waren zur Zeit der Jahrhundertwende ein ausgesprochener Sommerschmuck. Das hier vorliegende Collier in drei Reihen ist genau so ein Schmuckstück, wie es die Prinzessinnen von Neustatt-Birkenstein hätten tragen können. Es ist in den Jahren um 1900 in Italien entstanden und präsentiert seine Korallen der Größe nach im Verlauf gereiht. Die lachsrote Farbe weist die Korallen dabei als sogenannte Sciacca-Korallen aus; also solche, die nach einem Vulkanausbruch 1831 vor Sizilien abgestorben waren und lange Zeit im Wasser lagen. Bis etwa 1915 wurden diese aufgrund dessen zarter gefärbten Korallen noch geborgen, danach waren die Vorkommen erschöpft. Die Perlen der vorliegenden Kette sind ganz von Hand poliert, was ihre Entstehung in der Zeit um 1900 belegt. Eine Schließe aus vergoldetem Tombak, die mit drei Boutons aus Koralle besetzt ist, hält die Schnüre im Nacken sicher zusammen. Vgl. Eduard von Keyserling: Fürstinnen. Roman. Nachwort von Jens Malte Fischer, Zürich: Manesse 2017, S. 62–63.

Korallen aus dem Mittelmeer kommen in verschiedenen Farbschattierungen vor. Je nach Regionen, Merrestiefen und Wachstumsbedingungen bilden die Meerestiere spezifische Farbnuancen aus, wie etwa die tiefroten Sardegna-Korallen die um die Insel Sardinien gefischt werden. Eine besondere Korallenfarbe liefert dabei Sizilien und die Geschichte dieser Meeresschätze ist ausgesprochen spannend: Vor dem an der Südküste Siziliens liegenden Ort Sciacca brach im Juli des Jahres 1831 ein unterseeischer Vulkan aus. Fischer beobachteten die Explosionen und entdeckten zu ihrem Erstaunen, dass der Vulkan eine neue Insel gebildet hatte. Sofort als die Eruptionen endeten, entbrannte ein heftiger Streit, zu welchem Land das neue Eiland gehören sollte. Das Königreich beider Sizilien betrachtete es als natürlichen Bestandteil seines Territoriums und benannte es nach seinem König, Ferdinand II., Ferninandea. Doch auch Großbritannien beanspruchte das strategisch an wichtigen Schifffahrtsrouten gelegene Neuland für sich und nannte es Graham Island. Die französische Flotte reklamierte die von ihr Julia genannte Insel ebenfalls, und auch Spanien erhob Ansprüche. Den Streit schlichtete schließlich die Natur: Denn bereits 1832 hatten die Wellen die Insel soweit abgetragen, das sie im Meer versank und lediglich als Untiefe erhalten blieb. Doch was hat das Geschehen mit Korallen zu tun? Die wiederholten untermeerischen Vulkanausbrüche und zahlreiche Erdbeben hatten große Mengen Korallen absterben lassen, die eine der reichsten Lagerstätten des gesamten Mittelmeers bildeten. Diese subfossilen Korallen hatten durch die Lagerung im Wasser einen lachsfarbenen Farbton angenommen, der sie unverwechselbar machte. Entdeckt wurde dieser Schatz des Meeres im Jahr 1875. Bettu Ammareddu, Kapitän eines Trawlers, fischte an der Untiefe, die einstmals die Insel war. Dabei fiel ihm seine Halskette, die er als Geschenk seiner Liebsten erhalten hatte, ins Wasser. Als er nach der Kette tauchte stellte er fest, dass der Meeresboden über und über mit Korallen bedeckt war. Schon bald begann der Abbau der Korallen, doch 1915 waren die Vorkommen restlos erschöpft.

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