Bewegte Zeiten

Barocker Diamant-Ring in Gold & Silber, frühes 18. Jahrhundert

Der hier vorliegende Ring, eine funkelnde Schleife, ist ein kostbares Zeugnis aus einer fernen Vergangenheit. Der Ring aus Gold mit einer Schauseite aus Silber ist mit rubinfarbenen Glaspasten besetzt und drei Diamanten. Zwei Diamanten im Rosenschliff und einem Diamanten im Tafelschliff, in der Mitte des Ringes, klein, doch prominent platziert. Der zentrale Diamant wird von einem plastischen Oval aus Silber umgeben, dessen Rand mit gezackten Ornamenten verziert ist. In der englischsprachigen Literatur wird diese Form der Fassung als „pie crust“ bezeichnet. Sie entsteht im Verlauf des 17. Jahrhunderts, zunächst stets ganz aus Gold. Dann, zum Ende des Jahrhunderts, werden entsprechende Ringe auch mit Schauseiten aus Silber gefertigt, wenn Diamanten eingefasst sind. Die Goldschmiede hatten verstanden, dass die Farbe der kostbaren Steine in einem weißen Metall besser zur Geltung kommt. Die letzte Abbildung zeigt ein Beispiel aus dem späten 17. Jahrhundert [1]. Der große Diamant ist im Tafelschliff geformt. Dieser Schliff begegnet in Europa erstmals im 15. Jahrhundert und blieb lange der Standardschliff. Zu schwierig war es, dem Diamanten weitere Facetten abzutrotzen, zu kostbar war das Material. Zudem war der Diamant vor allem aufgrund seiner Härte und den damit verbundenen Assoziationen von Ewigkeit und Stärke begehrt. Seine inhaltliche Bedeutung war also wichtiger als sein Funkeln. Größere Diamanten mit größerer Facettenzahl wurden erst im 18. Jahrhundert gebräuchlicher, nachdem die großen Diamantvorkommen in Brasilien entdeckt worden waren [2]. Die Seitenansicht des Ringes schließlich offenbart weitere Details. Die Unterseite des Ringkopfes zeigt auch zarte Gravuren, die wie Strahlen von der Mitte des aus Gold gefertigten Elements ausgehen; auch die Ringschiene ist aufwendig ornamentiert. Diese Ornamentierung erlaubt es, den Ring sicher in das frühe 18. Jahrhundert zu datieren. Sie ersetzt in dieser Zeit das bis dahin an diesen Stellen der Ringe gebräuchliche Email [3]. Trotz seines hohen Alters ist der vor etwa 300 Jahren entstandene Ring gut erhalten. Der zentrale Diamant ist irgendwann im Verlauf der Generationen zerbrochen, hält aber sicher in seiner Fassung. Man könnte den Stein leicht ersetzen, doch haben wir uns dafür entschieden das Stück unverändert zu lassen. Während es sich um einen europäischen Ringtypus handelt, bietet die Literatur bis heute keine spezifischere Verortung an. Wir haben ihn in London entdeckt. Nachweise [1] Zur Form des „pie crust“-Ringes vgl. Sandra Hindman u.a.: Cycles of Life: Rings from the Benjamin Zucker Family Collection, London 2014, S. 232f.; das anbei abgebildete Beispiel mit Emaillierung bei Heinz Battke, Die Geschichte des Ringes, Baden-Baden 1953, Kat. Nr. 94 (vgl. letzte Abb. o.l.; auf S. 71 zusätzlich mit weiteren Literaturverweisen). [2] Vgl. ebd., S. 234., sowie Jack Ogden: Diamonds. An Early History of the King of Gems, New Haven/London 2018, S. 136f. [3] Vgl. hierzu die bei Hanns-Ulrich Haedeke: Schmuck aus drei Jahrtausenden. Sammlung Hanns-Ulrich Haedeke, Köln 2000, S 295f, abgebildeten Ringe, sowie Ring Nr. 888 in Anna Beatriz Chadour: Ringe. Die Alice und Louis Koch Sammlung, Leeds 1994.

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