Elegante Zeiten

Hübsche Smaragd- & Diamant-Brosche aus Gold & Platin, um 1910

Die Jahre des späten Kaiserreiches in Deutschland waren geprägt von einer Bürgerschicht, die durch die starke Industrialisierung des Landes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wohlstand gekommen war. Nach der Reichsgründung 1871 und dem Sieg über die Franzosen im vorangegangenen Krieg flossen enorme Summen an Reparationszahlungen aus Frankreich in die deutschen Länder, die sich zum Kaiserreich zusammengeschlossen hatten. Dies führte im Bereich der Mode und des Schmucks zu einer immer größeren Verfeinerung jener Objekte, welche sich die wohlhabende Bevölkerung leisten konnte. Die Goldschmiede jener Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren mit neuen Gerätschaften ausgestattet, welche die Verarbeitung auch schwer schmelzbarer Metalle erlaubten. So wurde Platin als Schmuckmetall zum bevorzugten Material für Diamantschmuck, denn das Metall hat die Eigenschaften, nicht anzulaufen und extrem stabil zu sein. So wurden filigranste Sägearbeiten und ein Ausfassen der Schmuckstücke mit flächendeckendem Diamantbesatz möglich. Da Platin in jener Zeit jedoch etwa acht mal so teuer war wie Feingold, sind in aller Regel nur die sichtbaren Teile von Schmuckstücken aus Platin geschmiedet, während die rückseitigen Elemente weiterhin aus Gold gefertigt wurden. Die hier vorliegende Brosche, im Deutschland der Jahre um 1910 entstanden, ist ein Produkt dieser Zeit und ein stiltypisches Schmuckstück der späten Belle Époque. Ihre Schauseite aus Platin ist in ein abwechslungsreiches Muster geometrischer Formen aufgelöst und entwickelt durch fein geführte Linien ein schönes Spiel von Licht und Schatten. Der Entwurf staffelt sich dabei zur Mitte hin, wo ein strahlender grüner Smaragd den Höhepunkt der Brosche bildet. Brillanten im Altschliff, abwechselnd in Zargen und in rautenförmigen Fassungen eingelassen, lockern dabei das Erscheinungsbild des feinen Juwels auf. Kleinere Diamanten besetzen weitere ausgesuchte Stellen des Entwurfes wie glitzernde Tautropfen. Die Brosche ist wunderbar erhalten und kam aus einem Berliner Nachlass zu uns. Sie ist ein Stück Schmuckgeschichte aus eleganten Zeiten, ein hübsches kleines Juwel der Belle Époque.

In der Antike wurden Diamanten vor allem für ihre unvergleichliche Härte geschätzt. Als Symbole unbesiegbarer Stärke war ihre Schönheit bestenfalls zweitrangig. Tatsächlich erscheinen die frühen Diamanten dem modernen Auge überhaupt nicht attraktiv. Mittelalterliche Schlifftechniken erlaubten ebenfalls keine spektakulären Lichtreflexe, und die verbreiteten Tafelschliffe brachten nur Helligkeit und Farbe der Steine zur Geltung. All das änderte sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts. Der Adel des Barock entwickelte eine Vorliebe für glitzernde Edelsteine. Besonders populär waren Diamanten im Rosenschliff, deren vielfältige Facetten das Kerzenlicht wunderbar reflektieren. In der Mitte des Jahrhunderts entwickelte sich ein erster, früher Brillantschliff, der nach dem einflussreichen Kardinal Jules Mazarin als Mazarinschliff bezeichnet wird und sich durch eine Krone mit 17 Facetten auszeichnet. Bereits gegen Ende des Jahrhunderts wurden diese Diamanten dann durch eine neue Form abgelöst, der nach seinem Erfinder als Peruzzi-Schliff benannt ist. Vincenzo Peruzzi war ein Edelsteinschleifer aus Venedig, der die Krone der Diamanten um zusätzliche Facetten auf insgesamt 33 erhöhte und so das Feuer der Steine enorm steigerte. Diese frühen Brillanten waren jedoch, was Anzahl und Form der Facetten angeht, nicht standardisiert. Jeder Stein wurde so geschliffen, dass möglichst viel Substanz erhalten bleiben konnte. Neue Diamantvorkommen in Brasilien führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dann zu einer Schliffform, die als Old Mine Cut bekannt wurde. Diese Diamanten ähneln bereits sehr unseren heutigen Vollschliff Brillanten, doch sollten noch einige Generationen stetiger Verbesserung der Schlifftechnik nötig sein, bis aus dem Old Mine Cut zunächst der Altschliff (oder Old European Cut), und schließlich in den 1940er Jahren der moderne Vollschliff wurde.

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