Himmlisches Collier

Antike Granat-Kette mit Sichelmond & Stern, um 1870

Schmuckstücke mit orientalischen Symbolen wie Stern und Sichelmond sind Zeugnisse der Orient-Mode der Mitte des 19. Jahrhunderts. Anders als in den Jahrhunderten zuvor, als noch im 18. Jahrhundert die Türken vor Wien standen, sah man im Osmanischen Reich keine Bedrohung mehr, sondern ein begehrenswertes, fremdes und exotisches Gegenüber. Besonders nach dem Schulterschluss Preußens mit den Osmanen im Krimkrieg der 1850er Jahre liebte man den Orient mit all seinen fremdländischen Eigenschaften, der daraufhin ausgiebig bereist und erforscht wurde. Schmuckstücke wie das vorliegende Granatcollier illustrieren diesen Orientalismus genau wie die großen Gemälde der Kunstausstellungen dieser Jahre. Wunderbar präsent zeigt die Kette ein zentrales Element in Form eines großen Sichelmondes, aus dem ein sechszackiger Stern erwächst. Die Mondsichel hat im Islam eine besondere Bedeutung, da sich das islamische Jahr nach dem Mondkalender richtet und zahlreiche religiöse Feste und andere Termine mit dem Erscheinen des neuen Mondes zusammenhängen. So beginnt auch der Fastenmonat Ramadan erst mit dem Erscheinen der Mondsichel. Zwei weitere Sterne flankieren den Mond und blattförmige Abhängungen verleihen dem Collier ein prachtvolles Aussehen. Die dunkelroten Granate im Rosenschliff sind zeittypisch in Tombak gefasst. Um 1870 entstanden, haben wir ein Schmuckstück schöner Qualität vor uns, das eine Erinnerung an Tausendundeine Nacht und an die Märchen des Orient weckt.

Granate aus Böhmen zählen heute zu den Klassikern unter den Schmuckstücken, doch seinen grandiosen Siegeszug in der Schmuckmode trat der dunkelrote Edelstein erst relativ spät, nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert an. Als sog. „Karfunkelsteine“ wurden ihnen im Mittelalter magische Kräfte zugesprochen und sie tauchen in der Literatur dieser Zeit als „Böhmische Feuerdrachen“ auf, was ihre mystische Aufladung noch einmal untermauert. Nachdem Granate über Jahrhunderte in böhmischem Minen geschürft wurden, gerieten sie in den Jahren um 1800 völlig außer Mode. Das änderte sich schlagartig, als Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi) im Jahr 1854 auf ihrer Hochzeitsreise das Kronland Böhmen besuchte und einige der Schätze der böhmischen Bergwerke geschenkt bekam. Aus diesen Granaten ließ sich die Kaiserin eine ganze Parüre, also ein umfangreiches Schmuckset herstellen und präsentierte sich im Glanz der Granate auf einem Hofball der Wiener Gesellschaft. Schon am nächsten Tag soll - so will es die Erzählung - ein wahrer Ansturm auf Schmuckstücke mit den Feuerdrachen ausgebrochen sein. Alle Damen Wiens wollten böhmischen Granatschmuck besitzen. Diese Begeisterung für den dunkelroten Stein breitete sich daraufhin wie ein Lauffeuer über ganz Europa aus und das bis dahin arme Böhme erlebte eine große Blütezeit durch die starke Nachfrage an Granaten.

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Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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