Glückliche Ehe

Klassizistische Lagenstein-Kamee in Gold nach antikem Vorbild, um 1800

O tempora, o mores – Oh was für Zeiten, oh was für Sitten! Schon Cicero machte sich im Jahr 70 vor Christus seine Gedanken über die Werte und Vorstellungen, welche die Gesellschaft zusammenhalten, über ihren Bestand und ihren möglichen Verfall. Sein eher pessimistisches Urteil erscheint uns heute, mehr als 2000 Jahre später, indes nicht so ganz überzeugend: Denn noch immer bestehen ja einige schon in der Antike bekannte Werte und Formen des Zusammenlebens höchst lebendig weiter. Eine davon ist die Ehe. In der römischen Antike wurde die Ehe dadurch geschlossen, dass der Mann in einer feierlichen Zeremonie seine rechte Hand in die rechte Hand der Frau legte. Hierbei half eine Brautjungfer, die Pronuba. Sie führte die Eheleute zusammen und konnte die Hände halten. Die Pronuba galt als Stellvertreterin der Juno, der Göttin der Ehe, um einen höheren Schutz für die Eheleute zu erwirken. Die Vereinigung der Hände, die Dextrarum Iunctio, war dann der eigentliche Moment, ab dem die Ehe rechtsgültig war. Hier liegt nun eine Lagensteinkamee in Goldfassung vor, welche nach einem antiken Vorbild den Moment der Eheschließung zeigt. In feinem und detailreichem Schnitt sehen wir links die Braut. Sie trägt das typische Hochzeitsgewand, nämlich über der weißen Tunica die Palla galbeata und den Hochzeitsschleier der Römerinnen, das Flammeum. Der Ehegatte, allein in ein Pallium gekleidet und mit bloßer Brust, reicht ihr die Rechte und hält seine Linke hinter dem Rücken verschränkt. Die Darstellung folgt einem Relief, das sich in der frühen Neuzeit im Palazzo Farnese in Rom befand und uns durch einen Kupferstich bekannt ist. Die Szene ist in dem von Pietro Santi Bartoli herausgegebenen Tafelwerk „Die Wunder des antiken Roms“, den Admiranda Romanarum Antiquitatum, erschienen 1693 in Rom bei Giovanni Giacomo de’ Rossi, auf Tafel 57 abgebildet. Beide Ehegatten begegnen uns hier in denselben Posen wieder. Allein die bei Rossi abgebildete Pronubia am linken Bildrand fehlt. Im Kupferstich trägt sie ein Diadem, das sonst der Iuno vorbehalten ist und sie so als deren Stellvertreterin ausweist. Der unbekannte Gemmenschneider, welcher die Szene in den Jahren um 1800 nach dieser Vorlage in Achat geschnitten hat, hat auf die Brautjungfer verzichtet und die Szene so noch einmal verdichtet. Beide Brautleute stehen nun mit größerer Selbstverständlichkeit voreinander und gehen in ruhiger Stimmung die Ehe ein. Die an Unruhe grenzende Bewegtheit des antiken Vorbildes wird so gemildert, es entsteht eine Szene, welche dem Zeitgeschmack des Klassizismus weit mehr entsprach. Die Fassung des Steins ist aus Gold geschmiedet und wohl zeitgleich mit der Kamee entstanden. Eine Nadel macht den Stein als Brosche tragbar. Er ist erstklassig erhalten. Das komplette Werk Bartolis ist digitalisiert online einsehbar im Bestand des Internet Archive. Eine Rezeption der Szene im Medium der Malerei ist aus Großbritannien bereits aus dem 18. Jahrhundert belegt: In Kedleston Hall, Derbyshire, wird ein Tondo aufbewahrt, der alle drei Personen nach dem antiken Vorbild zeigt. Die Szene ist hier als Hochzeit von Peleus und Thetis in Anwesenheit von Juno beschrieben.

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