Die Schleifen der Madame Sevigné

Kostbare Brosche der Belle Époque mit Diamanten & Naturperlen, um 1895

Schleifen und Girlanden waren beliebte Motive nicht nur im Schmuck des 18. Jahrhunderts, sondern auch der 1890er Jahre: Eine sinnige Verbindung, liebte man doch sowohl im Rokoko als auch in der Belle Époque Diamanten, Perlen, kleine und größere Kostbarkeiten – mithin alles, was schön war. Beide Epochen waren zudem geprägt von einer stetigen Verfeinerung der Künste und des Geschmacks, bis sie dann jäh mit großen, die bekannte Weltordnung hinwegfegenden Umbrüchen endeten: Die eine mit der französischen Revolution, die andere mit dem ersten Weltkrieg. Die vorliegende Brosche ist mit ihrem Schleifenmotiv, ihrer Girlande aus Diamanten und ihren pendelnden Naturperlen ein mustergültiges Beispiel eines Brillantschmucks der 1890er Jahre. Vgl. Sie zur Datierung etwa die beigefügte Abb. aus „Moderne(r) Schmuckgegenstände“, in: Der Bazar, 39. Jahrgang 1893, Nr. 24, S. 246. Gleichzeitig aber ist sie ein Verweis auf einen Typus, der im späten Barock und Rokoko gern getragen wurde, die sog. Sevigné-Brosche. Die Marquise de Sevigné (1626–1696) war eine in Modedingen bewanderte Dame des französischen Hofes mit einer ausgeprägten Vorliebe für Schleifen. Schnell wurde ihre Passion zum Vorbild für alle Frauen in Paris und bald schon stellten nicht mehr nur die Schneider diese Schleifen aus Samt und Seidenbrokat her, sondern auch die Juweliere aus kostbaren Edelsteinen: Die Sevigné-Brosche war geboren, eine durch ein querovales Schleifenmotiv mit mittig pendelnder Abhängung charakterisierte Brosche. Im vorliegenden Schmuckstück ist diese Form leicht abgewandelt. Abgeschlossen wird die Brosche unten durch das für die 1890er Jahre so charakteristische Dreiecksmotiv mit Girlande und pendelnden Perlen. Auch in Material und Ausführung wird die Brosche Ihrer Entstehungszeit, der Belle Époque, der „schönen Epoche“, in jeder Hinsicht gerecht. Insgesamt etwa 1,20 ct handgeschliffene Diamanten besetzen den Entwurf, dazu zahlreiche Diamanten im Rosenschliff sowie vier Naturperlen mit irisierendem Lüster. Die Schauseite der Brosche ist zeittypisch aus Silber gearbeitet, um den Diamanten einen bestmöglichen, leuchtenden Rahmen zu geben. Die Rückseite der Brosche besteht hingegen aus Gold, sodass das Schmuckstück beim Tragen nicht abfärben kann. Die Brosche ist sehr gut erhalten und ein Kleinod, welches die Ästhetik der Belle Époque aufs Schönste einfängt. Wir haben sie in London erwerben können.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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