Tempus Vincit Omnia

Manieristische Kamee des Chronos in rötlichem Alabaster als Anhänger, 16. Jahrhundert

Schon in der vorsokratischen Zeit war Chronos als die Personifikation der Zeit bekannt. Selbst die alten Griechen aber ließen ihn nach und nach mit dem Titanen Kronos verschmelzen – eigentlich zwei eigenständige Figuren der mythologischen Welt, trugen die beiden doch so ähnliche Namen, dass sie wieder und wieder miteinander verwechselt, mitunter auch als die gleiche Figur gesehen wurden. So ist spätestens seit der Renaissance das Bild des Chronos mit der Sichel, einstiges Attribut des Titanen Kronos, verbreitet. Hieraus entwickelten sich sowohl die Vorstellungen des Gevatter Tod als auch des „Father Time” im englischsprachigen Raum. Auch in dieser Darstellung sehen wir Chronos mit der Sichel oder einer Sense. Ihre Platzierung hinter dem Haupt des bärtigen Greises ist einerseits dem Ausschnitt und Format der Gravur geschuldet – und doch ist sie so charakteristisch, dass sie uns auf eine künstlerische Vorlage schließen lässt. Denn eine weitere bekannte Darstellung des Chronos in ebendieser Pose befindet sich im „Sala dei Giganti”, dem Saal der Giganten, im Palazzo del Te bei Mantua, Italien. In monumentaler Größe erzählt dort ein Fresko von der Gigantomachie, dem Kampf der Götter der antiken Sagenwelt gegen die Giganten. Unaufheblich erscheint in diesem Werk die Verschmelzung des Chronos mit dem Titanen Kronos. Gemalt wurde das Fresko zwischen 1532-35 von Giulio Romano, einem Schüler Raffaels und wichtigen Vertreters des italienischen Manierismus. Doch nicht nur die Pose des Chronos in Romanos Monumentalwerk erinnert an unsere Gemme: Gerade die Vorzeichnung für das Fresko (heute unter der Inv.-Nr. 94.GA.32 im Getty Museum verwahrt, siehe letzte Abb.) lässt uns auch an die Materialität unserer Schnitzerei denken. In geädertem rötlichem Alabaster ausgeführt, erinnert sie an die lasierende Technik in bräunlicher Tinte, die Romano für seine Zeichnung verwendete. Doch noch stärker ausgeprägt sind hier die länglichen, manieristischen Züge des Chronos, welche sowohl seine in Falten gelegte Stirn als auch die Länge seines Bartes betonen. Plastisch hebt sich der Kopf vor Sichel und Untergrund ab; die natürliche Äderung des Steins verleiht ihm besondere Tiefe. Ob wohl ein Bewunderer von Giulio Romanos Werk einst unter der Kuppel des Palazzo del Te saß und den Chronos skizzierte, um ihn später in Alabaster zu schneiden, oder ob er wohl gar die Vorzeichnung selbst vor Augen hatte? Stilistisch jedenfalls legt die Kamee nahe, dass auch sie im 16. Jahrhundert entstand, wohl nur wenig später als Romanos Fresko in Mantua. Erworben wurde sie von ihrer Vorbesitzerin in Parma – 60 Kilometer südwestlich von Mantua gelegen, selbst in Zeiten ohne Züge und Autos nur einer Tagesreise zu Fuß entsprechend. Die goldene Fassung des seltenen Kunstwerks ist erst in jüngerer Zeit entstanden. Sie fasst die Gemme in einem schlichten Rahmen aus Gelbgold, an dem sich dank einer Öse eine Halskette anbringen lässt. Ganz im Sinne des Dargestellten scheint uns das über die Jahrhunderte hinweg hervorragend erhaltene kleine Kunstwerk an ein lateinisches Motto erinnern zu wollen: Tempus Vincit Omnia, die Zeit besiegt alles.

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