Conversation Piece

Niedliche Stabnadel in Diamant & Carneol in Form einer Wasserschildkröte, England um 1900

Ein Conversation Piece ist im Bereich des Schmucks ein solches Stück, dass durch seine ungewöhnliche Gestaltung oder seine Motivwahl die Blicke auf sich zieht und Gespräche anregt. In den Jahren zwischen 1890 und dem Beginn des neuen Jahrhunderts waren es Tiermotive, die besonders gefragt waren. Finden wir in dieser Mode zunächst Insekten wie Schmetterlinge und Libellen, so waren es um 1900 dann auch andere Tiere, welche vor allem Broschen schmücken durften. Hier ist es eine kleine Wasserschildkröte, die auf eine zarte Stabnadel gesetzt ist. Dynamisch platziert, wirkt es gerade so, als jage sie dem Altschliff-Diamanten hinterher, der ein Ende der Nadel bildet. Ihren Panzer bildet ein rotbrauner Carneol, welcher der kleinen Schildkröte durch seinen Cabochonschliff Plastizität hinzufügt. Der Rest ihres Körpers ist mit zahlreichen weiteren, von Hand geschliffenen Diamanten besetzt, die den Entwurf durch ihr Schimmern beleben. In der Entstehungszeit der Brosche wurde sie im damals üblichen Verfahren aus Gelbgold als Grundmaterial gefertigt, während Silber für die Diamantfassungen genutzt wurde. Erst später erfand man das Weißgold, und Platin wurde in jenen Jahren erst noch zaghaft genutzt. In späterer Zeit überzog man die Brosche deshalb mit einer zusätzlichen Schicht Rhodium, um sie weiß leuchten zu lassen und die Diamanten noch stärker zur Geltung zu bringen. Ein schön erhaltenes Schmuckstück der Jahre um 1900, und durch sein ungewöhnliches Motiv ein echtes Conversation Piece! Ein Vergleichsstück - wenngleich etwas weniger kostbar ausgestattet - finden Sie im Katalog der Hofjuweliere Goldsmiths & Silversmiths Company Ltd., London 1901, reproduziert bei Peter Hinks (Hrsg.): Viktorianischer Schmuck, Hildesheim/Zürich/New York 1996, S. 49 (siehe letztes Bild).

Im späten 19. Jahrhundert entstand eine neue, nie zuvor gesehene Art von Schmuckstücken: Sogenannte „Novelty Jewellery“ sorgte durch neue, überraschende und bis dato undenkbare Formen und Materialzusammenstellungen für Furore: So ließen sich mit einem Mal Vögelchen auf Schaukeln nieder und wurden zu Ohrgehängen. Viele Gegenstände des täglichen Lebens fanden ihren Weg an das Revers der Damen und Herren, wie Tennis- und Golfsschläger sowie Briefmarken, doch auch die technische Welt fand in dieser Mode ihren Niederschlag. Maschinen, Automobile en miniature und auch das neuartige Telefon bildeten überraschende Blickpunkte. Sinn und Zweck dieser Stücke war es, in Gesellschaft für Anknüpfungspunkte zum Gespräch zu sorgen. Bei Geburtstagsfeiern konnte eine Brosche mit dem Geburtsjahr der oder des Gefeierten eine sympathische Geste sein, bei gemeinsamen Ausflügen zur Jagd eine Fuchsbrosche dem Rahmen entsprechend die Garderobe ergänzen. Sogar durch Batterien aus den Augen leuchtende Totenschädel wurden angeboten, um bei einer Dinnerparty einen makabren, aber doch heiteren Akzent zu setzen. Dabei handelte es sich bei den Schmuckstücken nicht ausschließlich um Modeschmuck. Viele Stücke waren natürlich für den einmaligen Gebrauch konzipiert und aus preiswerten Materialien hergestellt. Die immer weiter fortgeschrittene Industrialisierung auch im Schmuckbereich erlaubte mit einem mal die massenweise Herstellung von vergoldeten und auch nur goldfarbenen Broschen und Anhängern. Doch auch namhafte Goldschmiede schufen kleine Novelty-Stücke aus kostbaren Metallen, besetzt mit edlen Steinen, denn die Mode des Kuriosen, Überraschenden und Heiteren lebte in allen Schichten der Gesellschaft: Tatsächlich nahm die königliche Familie in Großbritannien hier sogar eine Vorreiterrolle ein - und setzte mit ihrem Juwelengebrauch den Maßstab, an dem sich ihre Untertanen dann messen lassen wollten. Mehr zu diesem spannenden Thema erfahren Sie bei Charlotte Gere / Judy Rudoe: Jewellery in the Age of Queen Victoria, London 2010, S. 190-247.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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