Ein Volk in Eisen

Antike, ausdrucksstarke Gürtelschnalle aus Berliner Eisen, um 1825

Zur Zeit der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts initiierte die preussische Prinzessin Marianne eine Aktion, die unter der Parole „Gold gab ich für Eisen“ zur Verteidigung des von Frankreich bedrohten Heimatlandes beitragen sollte: In einem großen Prozessionszug auf der Prachtstraße Unter den Linden in Berlin brachten die Damen der Gesellschaft ihren Goldschmuck dem König als Geschenk dar. Mit dem so gesammelten Gold sollte der Kampf gegen Napoleon und seine Truppen finanziert werden; im Gegenzug erhielten die Spenderinnen im Tausch gegen ihre goldenen Preziosen Schmuckstücke aus gegossenem Eisen, die so fortan mit Stolz trugen. Die große Zeit von Schmuckstücken aus Eisen begann also in den Jahren der napoleonischen Besatzung Preussens in den Jahren ab 1806. Dieser neue Bedarf an Eisenschmuck zog die Gründung der Berliner Eisengießerei nach sich, welcher der Goldschmied Conrad Geiss vorstand. Der Berliner Eisenschmuck, das „Fer de Berlin“ mit seinen klaren Konturen und seiner zurückhaltenden, dunklen Farbe entsprach dabei dem Geist des Klassizismus. Mit ihm wurde dem aufwendigen Diamantpomp des 18. Jahrhunderts eine Alternative entgegengesetzt, die bürgerliche Tugenden wie Bescheidenheit, Zurückhaltung und Bildung Ausdruck gab. Doch nicht nur in Berlin wurde in diesen Jahren Schmuck aus Eisen hergestellt; auch in Schlesien, in der neutralen Schweiz und später selbst in Frankreich wurden Schmuckstücke aus diesem Werkstoff gefertigt: Das geschwärzte Eisen war Mode und salonfähig geworden. Die hier vorliegende Gürtelschnalle aus den Jahren um 1825 ist ein Schmuckstück, wie es typischerweise etwa in der Berliner Eisengießerei unter Conrad Geiss entstand, der zahlreiche Entwürfe des Klassizismus zur Ausführung kommen ließ. Die große Form setzt sich aus antikischen Akanthusblattmotiven und runden Stangen zusammen, die in Palmetten enden. Die originale Aufnahme für den Gürtel mit den Zähnchen, die das Gewebe halten sollen, ist erhalten. Ein ungewöhnlich schönes Schmuckstück der Jahre nach den Befreiungskriegen um 1825. Vgl. Elisabeth Schmuttermeier: Schmuck aus Eisen, in: Berliner Eisen. Die königliche Eisengießerei Berlin. Zur Geschichte eines preussischen Unternehmens, hrsg. v. Charlotte Schreiter / Albrecht Pyritz, Berlin 2007, S. 227-240.

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