Eine kostbare Anlage

Pariser Clip-Brosche des späten Art Déco mit Rubin- und Diamantbesatz, 1940er Jahre

Mit ihrer abstrakt drapierten Form, dem warm schimmerndem Gelbgold und ihrem Diamant- und Rubinbesatz spricht diese Brosche die Formensprache der ersten Hälfte der 1940er Jahre. So mag es zunächst verwundern, dass ihre Punzierungen sie als ein Pariser Stück jener Zeit ausweisen: Denn Paris stand in jener Zeit unter deutscher Besatzung, und durch den Krieg war nicht nur eine generelle Geldknappheit bedingt, sondern die Belieferung mit kostbaren, in fernen Ländern gehobenen Steinen war äußerst unregelmäßig. Anders als in den meisten europäischen Schmuckzentren hatten die großen Pariser Juweliere ihre Arbeit auch in jener Zeit nicht niedergelegt. Aufgrund der Materialknappheit musste man sich in diesem Punkt jedoch behelfen: So musste, wer ein goldenes Stück in Auftrag gab, das Gold selbst beisteuern und ein Fünftel davon an den Staat abtreten. Die Steine wiederum wurden entweder aus alten Stücken ausgefasst oder stammten aus vor dem Krieg angekauften Lagerbeständen. So erklärt sich vielleicht, weshalb zwei der insgesamt sechs Diamanten anders geschliffen sind als die übrigen vier, was unter der Begutachtung mit bloßem Auge die Ästhetik der Brosche nicht beeinflusst. In ihrer Materialität ist diese Brosche ein Stück von ausgesuchter Kostbarkeit. Ihr massiv goldener Korpus liegt schwer in der Hand, selbst die rückseitigen Clip-Nadeln sind aus Gold gefertigt und sie ist neben den Diamanten mit elf Rubinen besetzt, die wie eine Traube roter Beeren glänzen. Dass solch ein Stück genau in jener Zeit entstanden ist, hat aber gerade mit dieser Kostbarkeit zu tun; denn die Brosche ist nicht nur ein äußerst dekorativer Schmuck, sondern zudem eine Wertanlage, die anders als Papiergeld auch in bewegten Zeiten eine große Beständigkeit behielt und behält. Als wertvolle Anlage überstand die Brosche die Kriegswirren in sehr gutem Zustand. Der rückseitige Clip mit zwei Nadeln gewährleistet auch heute noch, dass das kostbare Gut sich nicht vom Mantel, vom Blazer oder Pullover lösen kann. Zur Schmuckproduktion in Paris während der ersten Hälfte der 1940er Jahre, vgl. Sie David Bennet und Daniela Mascetti: Understanding Jewellery, Woodbridge 2010, S. 356. Zahlreiche Vergleichsstücke finden sich in ebd., S. 368ff.

Eine der schönsten und typischsten Schmuckstücke des Art Déco ist der Clip. Extravagante, kostbare, meist mit Diamanten besetzte Exemplare haben Cartier, Boucheron und Van Cleef und Arpels ab den späten 1920er Jahren in Paris hergestellt und schon bald folgten ihnen die Goldschmiede der ganzen Welt. Das besondere an dieser neuen Art der Brosche war, dass sie nicht mehr nur am Revers, sondern überall am Kleid, am Gürtel, an der Tasche und selbst im Haar getragen werden konnte. Oft als Paar, doch gern auch einzeln, ließen sich so überraschende Akzente setzen, welche so bislang nicht möglich waren. Die Form der Clips war zum Zeitpunkt ihrer Einführung zunächst flach, die Oberflächen reich mit Diamanten besetzt. Im Laufe der 1930er Jahre kamen dann immer voluminösere, geometrische Formen in Mode. Auch ersetzte Gelbgold wieder das zuvor favorisierte Weißgold, ganz im Einklang mit der allgemeinen Tendenz des Art Déco. Eine letzte Neuerung vor dem Umbruch des großen Krieges bestand gegen Ende der 1930er Jahre dann darin, die rückseitige Halterung neu zu gestalten. War hier bislang eine einzige große Platte mit Federmechanismus angebracht, so wurden nun zwei miteinander verbundene Nadeln verwendet. Vgl. zur Geschichte des Clips David Bennett/Daniela Mascetti: Understanding Jewellery, Woodbridge 2010, S. 322–325, mit zahlreichen Abbildungen.

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