Licht ins Dunkel

Prachtvoller Kreuz-Anhänger mit 2,07 ct Diamanten, Österreich-Ungarn um 1870

Das Kreuz blieb in der westlichen Schmuckgeschichte eine stete Konstante, war Glaubensbekenntnis ebenso wie kostbares Accessoire. Ob als aus feinen Ranken gebildeter Anhänger des Rokoko, von einer Hofdame am Samtband getragen; ob in den vielfachen, alle Preiskategorien umspannenden Varianten des 19. Jahrhunderts; oder ob der modernen, geometrischen Formensprache des Art Déco angepasst. Hier nun liegt ein besonders prachtvoll ausgestattetes Exemplar des 19. Jahrhunderts vor. Zwölf große Diamanten in historischen Altschliffen werden von feinen Krappenfassungen gehalten, welche die Steine dem Licht entgegen heben und sie besonders ausdrucksstark leuchten lassen. Die Diamanten wiegen zusammen etwa 2,07 ct und und sind in hochkarätiges Gold gebettet, neben schwarzes Email welches sie noch heller wirken lässt. Die Punzierung des Kreuzes verrät, dass es nach 1867 in Österreich-Ungarn entstand, genauer gesagt in Wien. Vermutlich, so legt es seine Gestaltung nahe, entstand es kurz nach Einführung dieser Punzen in der Zeit um 1870. Zumindest ein Teil der Steine wurde hier in Zweitverwendung gefasst und stammt wohl ursprünglich aus einem Schmuckstück des 18. Jahrhunderts, das – damals üblich – eingeschmolzen und die Edelsteine umgefasst wurden, um ein neues, modischeres Schmuckstück zu schaffen. Über zwei Jahrhunderte Schmuckgeschichte sind so in diesem Kreuz vereint. Die Anhängerschlaufe ist breit genug, um nicht nur eine passende Goldkette, sondern auch ein Samtband aufzunehmen.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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