Art Déco Revival

Ungewöhnlicher Platinring mit Einkaräter und Baguette-Diamanten, datiert 1993

Das Design der Jahre des Art Déco ist bis heute zeitlos schön und viele Stücke zählen zu den Klassikern der europäischen Gestaltungskultur. Kaum ein Wohnzimmer ohne die berühmte Wagenfeldlampe oder Freischwinger von Mart Stam - und ein Art Déco Verlobungsring gilt auch bei vielen unserer Kunden als das Non-plus-Ultra. Tatsächlich erreichte die Golschmiedekunst in den 1920er Jahren eine nie wieder erreichte Perfektion der Handarbeit, während die Entwürfe eine schlichte Klarheit entfalteten, die bis heute modern erscheint. So verwundert es nicht, dass sich in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder Goldschmiede an den Ideen des Art Déco orientierten - so auch im Fall des vorliegenden Ringes, der laut der Punzierung in der Ringschiene im Jahr 1993 entstanden ist und den wir ohne diese genaue Datierung sicher früher eingeordnet hätten. Der Ring, im englischen Birmingham entstanden, ist aus massivem Platin geschmiedet und fasst Edelsteine in verschiedenen alten Schliffen, offenbar in Zweitverwendung. In der Mitte finden wir einen großen Brillanten von mehr als einem Karat Gewicht und schöner weißer Farbe (1,09 ct, Top Wesselton (G), pi). Der Stein, der wohl bereits in der Zwischenkriegszeit geschliffen wurde, zeigt einen kleinen Einschluss am Rand der Tafel, der auch mit bloßem Auge erkennbar ist. Da er aber so konzentriert sich auf eine Stelle beschränkt, mindert er die Brillanz des Steines nicht sondern macht diesen zu einem wiedererkennbaren Unikat. Rechts und links des zentralen Diamanten vermittelt je ein kleiner zargengefasster Diamant zu jeweils zwei Diamanten in Baguetteschliff. Drei kleine runde Diamanten bilden die Endpunkte der Ringschultern. Auch die Seitenpartie des Ringes ist der Beachtung wert, zeigt sie sich ebenso wie der Entwurf der Schauseite in beinahe architektonischer Eleganz. Der Ring, der im Süden Englands zu uns fand, ist sehr gut erhalten. Wir haben zu dem großen Mittelstein ein externes Zerifikat erstellen lassen, das die Merkmale des alten Brillanten bestätigt.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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