Weißes Glück

Restaurierter Diamant-Ring des Jugendstil in Platin & Gold, um 1905

Pflanzen, Blumen, Obst und selbst Gemüse: Keine Frucht der Natur, welche nicht zum Gegenstand von Redewendungen oder Sprichwörtern geworden wäre. Ein schönes Beispiel ist hier der Klee. Jemand, der im Deutschen „über den grünen Klee“ gelobt wird, hat eigentlich nicht so viel Lob verdient. Im Englischen hingegen ist der Klee positiver konnotiert, denn er gilt hier als Glückssymbol. In all seinen Formen übrigens, nicht nur mit vier Blättern! So sagt man „to live in clover“, also: zu leben im Klee, um auszudrücken, dass man ein sorgloses Leben voller Glück und Reichtum führe. Wenn sich ein solches Leben dann noch mit der Liebe verbindet: Was kann es schöneres geben? Dass in früheren Zeiten auch in unseren Breiten auch der dreiblättrige Klee offenbar ein Glückssymbol war, zeigt der hier vorliegende Ring. Die zarte Ringschiene aus Gelbgold mit einer Schauseite aus Platin legt sich mit leichtem Schwung um den Finger. Es erscheint, als ranke hier eine Pflanze auf der Suche nach Halt um den Körper um dann, spektakulär leuchtend in weißem Feuer, ein Kleeblatt der Welt zu zeigen. Denn tatsächlich bilden hier drei Diamanten im alten Brillantschliff ein Kleeblatt oder eine dreiblättrige Blüte. Die Brillanten sind sehr rein und weiß und sie funkeln mit den kleineren Diamanten auf der Ringschiene nur so um die Wette. Der Schliff der Diamanten und die Form der Schiene zeigen, dass der Ring in den Jahren kurz nach 1900 entstanden ist. In späterer Zeit, in den Jahren des Wiederaufbaus der jungen Bundesrepublik, wurde der Ring einmal restauriert. Er erhielt in der unteren Hälfte eine neue Ringschiene und die Fassungen der drei großen Diamanten wurden erneuert. Die Diamanten erhielten so mehr Licht und der Ring neue Stabilität, welche ihn noch heute zu einem Begleiter auch im Alltag werden lässt.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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