Leben und Leben lassen

Seltenes Karneol-Intaglio aus der Sammlung von Stanislas Poniatowski, um 1815

Das hier vorliegende Intaglio in warm schimmerndem Karneol ist ein Stück Kunstgeschichte. Denn es entführt uns nach Rom und London und erzählt eine Geschichte von Ruhm und Ehrgeiz, tiefem Fall, Betrug und der Suche nach absoluter Schönheit. Einmal ist es die Darstellung der großen Brosche, welche diese großen Emotionen aufbietet, mit ihrem dramatischen Kampf zwischen Minerva, der Göttin des Kriegs und der Weisheit, und Alkyoneus, dem stärksten aller Giganten. Minerva zerrt den bereits vom Pfeil des Herakles getroffenen Riesen an seinem Haar in die Lüfte, worauf dieser seine unbändigen Kräfte verliert und stirbt – es ist dies der Höhepunkt der Gigantomachie, von der auch die Reliefs des Pergamonaltars künden, den man heute auf der Berliner Museumsinsel bewundern kann. Vor allem aber ist auch die Geschichte der Brosche selbst, welche sich hier so gut wie nur selten nachvollziehen lässt. Denn sie stammt aus dem Besitz des Prinzen Poniatowski, dem Neffen des Königs von Polen. Im Zuge der polnischen Teilungen war Poniatowski (1754–1833), zuvor Großkämmerer von Litauen, ins Exil nach Italien gegangen und widmete sich hier seiner Liebe zur Kunst. Er legte eine umfangreiche Gemmensammlung an, die er unter dem Titel „Catalogue des Pierres Gravées Antiques“ ab 1820 veröffentlichen ließ – in der Absicht also, seine Sammlung als Kollektion antiker Gemmen bekannt zu machen. Nach seinem Tod wurde die etwa 2600 Steine umfassende Sammlung im April 1839 bei Christies in London versteigert – und führte zu einem Skandal, der die Kunstwelt erschütterte. Die zuvor geradezu sagenumwobene Sammlung erstklassiger vermeintlich antiker Gemmen mit zuvor ungesehenen Motiven stellte sich als Ansammlung moderner, für den Fürsten neu geschnittener Steine heraus. Zahlreiche der erstklassig erhaltenen Gemmen waren von den bedeutendsten Bildhauern der Antike signiert – doch anstelle dies als Zeugnis ihres Alters zu verstehen, erwuchs gerade hieran die Kritik: Die Sammlung wurde als zu unwahrscheinlich, als zu gut und zu wunderbar erachtet, als dass sie echt sein konnte. Allein ein britischer Sammler, John Tyrell, glaubte an den guten Namen Poniatowskis und erwarb den Großteil der Sammlung. In den kommenden Jahren ließ er seinen Teil der Gemmen erneut als antik publizieren, 1857/59 sogar mit begleitenden Fotografien von Abdrücken der Gemmen, in einem der ersten auf diese Weise illustrierten Büchern überhaupt. Dennoch verstummte die Kritik an der Herkunft der Stücke nicht und zu Tyrells großem Verdruss wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts die nicht-antike Herkunft der Gemmen kaum mehr bezweifelt. Der Skandal um den vermeintlichen Betrug überschattete die Wahrnehmung der Gemmen. Denn Poniatowski hatte selbst die Künstler engagiert, um die interessantesten, bislang ungesehenen Szenen aus den Metamorphosen, aus Odyssee und Ilias in Stein zu schneiden. Doch sind ihre Werke keine bloßen Imitationen antiker Vorlagen, sondern gehören zu den besten Bildschöpfungen ihrer Zeit überhaupt. Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat die hohe Qualität der Intaglien rundherum gewürdigt und so stellen sich die Gemmen des Prinzen heute als ein Höhepunkt der klassizistischen Kunst dar, außergewöhnlich in ihren Bildfindungen und meisterhaft im Schnitt. Die Gemmen Poniatowskis sind somit ein Höhepunkt, der das Scheitern des Anspruches, so gut wie die Antike zu sein, als persönliches Schicksal des Prinzen in sich trägt. Hierin teilt die Sammlung das Schicksal des auf der hier vorliegenden, großen Gemme gezeigten Alkyoneus: Bewundert und bestaunt zu Lebzeiten, barg der Weg in den Himmel den Fall bereits in sich. Die große und erstklassig erhaltene Gemme mit der (vermeintlichen) Signatur des Kromos lässt sich in allen Katalogen der Sammlung nachweisen. Die entsprechenden Belege finden Sie unter „Erfahren Sie mehr“; ihr Abdruck in Gips ist 1859 im Katalog Tyrells publiziert worden, die entsprechende Seite (hier Nr. 413) bilden wir anbei ab. Es handelt sich daher sicher um ein für den Prinzen in den Jahren um 1815 entstandenes Intaglio. Die Fassung der Gemme in hochkarätigem Gold ist in späterer Zeit dem Karneol hinzugefügt worden.

Zur Sammlung Poniatowski vgl. Claudia Wagner: Fable and history. Prince Poniatowski’s neo-classical gem collection, in Excalibur. Essays on Antiquity ... in Honour of Arthur MacGregor, hg. von Michael Vickers/Hildegard Weigel, Oxford 2013, S. 145–150, sowie Erika Zwierlein-Diehl: Antike Gemmen und ihr Nachleben, Berlin/New York 2007, S. 302–304, Getrud Platz-Horster: L’antica maniera. Zeichnungen und Gemmen des Giovanni Calandrelli, Kat. Ausst. Antikensammlung SMB, Berlin/Köln 2005, S. 13–21, sowie aus populärerer Perspektive Judy Rudoe: The Poniatowski Gems, in: Fake? The Art of Deception, hg. von Mark Jones, London 1990, S. 149–150. Zeitgenössisch wurde die Sammlung noch zu Lebzeiten des Prinzen im Privatdruck publiziert als Catalogue des Pierres Gravées Antiques de S.A. le Prince Stanislas Poniatowski, ohne Jahr und ohne Ort, wohl um 1820 in Rom erschienen, zwei weitere, erläuternde Bände dann in Florenz 1832–1833. Die hier vorliegende Gemme findet sich hier in Bd. 1, S. 33, Nr. 303 („Minerve saisit par les cheveux Alcyonée bessé par Hercule. / Chromios gr. / Cornaline orientale“) sowie Bd. 2, S. 81, Nr. 303 („Alcyonée quoique blessé par les flèches d'Hercule, reprenait de nouvelles forces toutes les fois qu’il touchait à terre. Minerve enfin le prit par les cheveux et l’ayant soulevé en l’air, il expira. Tel est le sujet très-bien rendu par Chromios. Cornaline oriantale. Médaillon.“). Die Sammlung von rund 2601 Intaglien wurde nach dem Tod des Prinzen 1833 im April 1839 bei Christies’s in London versteigert, wobei die hier vorliegende Gemme als Lot 2357 angeboten wurde. Sie wurde durch John Tyrell in Glauben an ihren antiken Ursprung erworben, der in der Folge die von ihm für die erstaunliche Summe von 65.000 Pfund erworbenen Exemplare (ein Teil der ursprünglichen Sammlung) erneut publizieren ließ, zunächst im Jahr 1841 durch James Prendeville: Explanatory Catalogue of the Proof-Impressions of the Antique Gems Possessed by the Late Prince Poniatowski And Now in the Possession of John Tyrrell, Esq, London, 1841, hier S. 228, Nr. 413, sowie erneut, nun sogar im neuen Medium der Fotografie, wenngleich von Abgüssen der Gemmen, als James Prendeville: Photographic Facsimiles of the Antique Gems Formerly Possessed by the Late Prince Poniatowski… 2 Bd.e, London 1857–1859, hier Bd. 2, S. 228, Nr. 413 sowie die anschließenden Tafel. In späteren Jahren wurden die Gemmen dann weiterverkauft und die Sammlung immer weiter verstreut. Durch die frühen Publikationen sowie die ebenfalls bereits früh von den Gemmen erstellen Abgüsse, welche sich heute in zahlreichen Sammlungen wie der Antikensammlung der Staatlichen Museen Berlin und dem Beazley Archive der Universität Oxford befinden (Dort als Nr. T413), lassen sich die Gemmen jedoch immer wieder eindeutig identifizieren und ihr Weg so seit ihrer Entstehung in Rom in den Jahren um 1815 nachverfolgen. Wir haben den Intaglio im britischen Kunsthandel aus einer Privatsammlung erwerben können.

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Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

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