Nicht verfransen!

Viktorianische „Tassle“-Ohrringe aus Gold, England um 1870

Für einen kurzen Moment, eine einzelne Mode nur, waren um das Jahr 1870 herum Schmuckstücke mit Fransen modern. Es war die Zeit des sog. Archäologischen Stils (vgl. Sie die weiterführenden Informationen im Reiter „Erfahren Sie mehr“). Ziel der Entwerfer war es dabei, den Schmuck der Antike wiederzubeleben. Doch bedauerlicherweise gab es dazu nur wenige bis gar keine überlieferten Vorbilder, sodass ein Stil mit zahlreichen, ganz unterschiedlichen Anleihen an die Vergangenheit entstand. Einerseits wurden einfache, geometrische Grundformen gewählt im Bestreben, einen ursprünglichen, wahren Stil zu finden. Die Goldschmiede belasteten diese mit Kordeln und Kügelchen in der Technik der Granulation, die man auf einigen wenigen überlieferten Stücken kennengelernt hatte. Und nun brachte man zudem Fransen an die Schmuckstücke an: Meist aus einfachen, glatten Röhrchen, Kettchen oder Stäben gebildet. Was hierzu als Vorbild diente ist nur schwer zu ermitteln: Womöglich kam hier ein eher orientalischer Einfluss hinzu, der zur selben Zeit nicht weniger modern war. Die hier vorliegenden Ohrhänger stammen aus dem viktorianischen England und zeigen diese Mode. Die Ohrringe sind aus Gold gefertigt und präsentieren unter praktischen Bügeln zwei Hülsen, die wie Schneckenhäuser gewunden sind. In ihnen stecken eine Vielzahl kleiner Goldkettchen, welche die Ohrringe zu prachtvollen Quasten machen. Der Typus wird auch als tassle-earrings bezeichnet. Das viktorianische Zeitalter hatte eine besondere Vorliebe für dieses Fransen-Ornament, das sich auch bei vielen Möbeln oder Vorhängen der Zeit findet. Ein wunderbares Paar, schon in der Abbildung. Doch eigentlich beginnt der Ohrschmuck erst wenn er getragen wird wirklich zu leben: Wenn die Fransen leicht schwingen und der Ohrhänger selbst sich sacht an unter seinen Bügeln bewegen: Dann gewinnen die hier vorgestellten Ohrringe ganz und gar zu neuem Leben. Vgl. zum Fransenstil u.a. die Abbildungen bei Brigitte Marquardt: Schmuck. Realismus und Historismus. 1850-1895. Deutschland, Österreich, Schweiz, München 1998, S. 176f.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Formen des Schmucks der klassischen Antike noch unbekannt. Weder in der Renaissance, noch im Klassizismus hatten Ausgrabungen echten Schmuck des Altertums hervorgebracht. Die Entwürfe dieser Epochen waren lediglich Annäherungen an ein Ideal gewesen, das man sich aus anderen Zusammenhängen wie der Architektur oder der Skulptur erschließen musste. Mit der Entdeckung echten etruskischen Schmucks ab den 1820er Jahren in Italien änderte sich dies schlagartig. Prinzessin Alexandrine von Canino etwa war dafür bekannt, gern einige auf ihrem Landsitz bei Rom gefundene original etruskische Schmuckstücke zum Neid ihrer Freundinnen zu tragen. Doch die Zahl der Stücke, die ja alle Zufallsfunde waren, bleib gering und originalen, Jahrtausende alten etruskischen Schmuck konnte weiterhin nur ein Bruchteil der Damen besitzen. Daher begannen die Goldschmiede jener Jahre schon bald, Schmuckstücke nach nun endlich bekannten antiken Formen herzustellen. Besonders Pio Castellani aus Rom und seine Söhne taten sich hier hervor und gestalteten Schmuck, der ab der Mitte des Jahrhunderts zu einem in ganz Europa bekannten Markenzeichen und einer wahren Mode wurde. Doch auch in Deutschland wurden ihre Arbeiten, die man schnell unter dem Begriff des „archäologischen Stils“ bekannt machte, mit Interesse aufgenommen und mit den Formen der eigenen Geschichte verschmolzen.

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Bei unseren Bewertungen des antiken Schmucks können Sie sich auf unsere jahrelange Erfahrung im Handel sowie unsere Expertise als studierte Kunsthistoriker verlassen. Als Mitglied in verschiedenen Händlerorganisationen sowie der britischen Society of Jewellery Historians haben wir uns hier zu größter Exaktheit verpflichtet. In unseren Beschreibungen weisen wir stets auch auf etwaige Altersspuren und Defekte hin, die wir auch in unseren Fotos nicht verbergen - damit Sie, wenn unser Paket zu Ihnen kommt, keine unangenehmen Überraschungen erleben müssen.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie bitte mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.


UNSER VERSPRECHEN

Wir möchten, dass Sie zu 100% zufrieden sind! Daher begutachten, beschreiben und fotografieren wir alle unsere Schmuckstücke mit größter Sorgfalt.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund doch einmal nicht zufrieden sein, nehmen Sie mit uns Kontakt auf und wir finden umgehend eine gemeinsame Lösung. Unabhängig davon können Sie innerhalb von 30 Tagen jeden Artikel zurückgeben und wir erstatten Ihnen den vollen Kaufpreis.

Play