Winterzauber

Vintage Brosche mit 2,44 ct Diamanten in Platin, um 1950

Wenn über Nacht der erste Schnee gefallen ist, erscheint die Welt am Morgen wie verwandelt. Die Farben sind verblasst, die Geräusche sind verschwunden, aber die Luft ist klar und das ganz neue Licht verzaubert die Natur. Die hier vorliegende Brosche hat den Zauber des Schnees für immer eingefangen. Sie zeigt in einem runden Rahmen ein symmetrisches Ornament, das an eine Schneeflocke erinnert. Ganz aus kühl funkelndem Platin geschmiedet, besetzen Diamanten in Brillantschliffen jede denkbare Stelle der Schauseite. Es sind kleine Altschliffe des 19. Jahrhunderts auf dem äußeren Rahmen, dann sog. Übergangsschliffe auf den Blättchen in Richtung Mitte – und schließlich ein wunderbarer Brillant im Vollschliff in der Mitte des Entwurfes. Insgesamt 2,44 ct Diamanten in sehr guter weißer Farbe sind hier verarbeitet worden. Offenbar hat der ausführende Goldschmied für die Brosche ältere Diamanten neu verwendet und mit zu seiner Zeit neu geschliffenen Diamanten kombiniert. Man kann die Entwicklung des Brillantschliffes geradezu chronologisch mitverfolgen, vom Rand bis zum Zentrum des von Hand gefertigten Schmuckstücks. Wir haben die Brosche, welche in den Jahren um 1950 entstanden ist, in London entdeckt. Sie ist sehr gut erhalten.

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Der Brillant ist somit also eine eigentlich erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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