Victorian Style

Vintage Ring mit historischen Diamanten in Gelbgold, Sheffield 1990

Die Form des Brillanten hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt. Lange war es technisch nicht möglich, den Rohkristall mehr als nur rudimentär zu verändern, da der Diamant ja so außergewöhnlich hart ist. Im 17. und 18. Jahrhundert gelang es dann, dem Kristall mehr und mehr Facetten abzutrotzen und im Laufe des 19. Jahrhunderts näherten sich die Schliffe immer mehr der Form an, die wir heute als Brillant kennen. Erst im Jahr 1919 aber hat Marcel Tolkowsky die Idealform des Brillanten auf optisch-physikalischer Grundlage errechnet; die genaue Form, welche in Deutschland heute der Standard ist, der sog. Feinschliff der Praxis, ist sogar erst 1938 festgelegt worden. Wirkich durchgesetzt hat sich die Form des modernen Brillanten dann nach dem Krieg. Man spricht hier auch von einem Vollschliff. Solch ein moderner Brillant mag auffälliger funkeln, doch ist es gerade die Individualität und der besondere, sanftere Glanz, welche Altschliff-Diamanten unter Sammlern so begehrt machen. So haben sich auch im vorliegenden Ring vier Diamanten im kissenförmigen Altschliff (engl. old mine cut) eingefunden – obwohl der Ring in moderner Zeit entstanden ist und Vollschliff-Brillanten vielfach verfügbar gewesen wären. Die vier Diamanten haben zusammen ein Gewicht von etwa 0,96 ct und zeigen sich aufgrund der großen Facetten in besonders schöner Brillanz. Sie sind im Verlauf angeordnet, d.h., die beiden inneren Diamanten sind größer als die äußeren. Vermutlich wurden die Diamanten hier in Zweitverwendung eingesetzt und stammen aus einem Schmuckstück des 19. Jahrhunderts. Den Ring, der nach viktorianischem Vorbild in hochkarätigem Gold abgegossen und versäubert wurde, ergänzen sie jedoch hervorragend. Ausweislich der Stempelfolge im Inneren der Schiene wurde er im Jahr 1990 dem Beschauamt von Sheffield vorgelegt.

Der Brillant ist eigentlich eine erst recht neue Erfindung - und das bedeutet auch, dass bei einem Diamanten, der im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen wurde, einem sog. „Altschliff“, die Proportionen des Steins nicht dem Standard des heutigen Brillanten folgen. Altschliffe wurden in der damaligen Zeit immer individuell geschliffen: Man wollte den optimalen Weg finden zwischen dem besten Glanz einerseits und dem wenigsten Materialverlust beim Schleifen andererseits. Wir finden, dass gerade diese Individualität die alten Diamanten so besonders interessant macht. Man kann sie weniger gut vergleichen; auch lässt sich der Wert nicht einfach mittels einer Tabelle bestimmen: Denn man muss jeden Stein einzeln ansehen, um wirklich sagen zu können, ob er das Feuer und den Glanz hat, den man von einem Diamanten erwartet.

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