Ferien auf dem Bauernhof

Wunderbares Mikromosaik-Collier mit Tierdarstellungen, Italien um 1842

Reisende aus Rom brachten gerne Mikromosaike mit Darstellungen der berühmten Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt mit nach Hause. Dass aber auch andere Motive gefragt waren, beweist das vorliegende, wunderbare Collier. Von goldenen Ketten zusammengehalten sehen wir sieben feine Mikromosaike aus kleinen Glastesserae in schwarzem Glas. Die Darstellungen zeigen einen bunten Reigen niedlicher Nutz- und Schoßtiere, die wohl an eine Landpartie in die römische Campagna erinnern sollten. Eine weiße Ente, ein Schaf und ein Schwan finden sich ebenso wie eine rot-getigerte Katze. Gleich dreimal findet sich das Bild eines kleinen Hundes. Die Spaniel sitzten auf einem Rasenstück und erscheinen vornehm. Es handelt sich um King-Charles-Spaniel, eine Rasse, die seit dem englischen König Charles I. zunächstam englischen Königshof und in britischen adeligen Kreisen beliebt, bald jedoch auch in allen anderen Ländern Europas verbreitet war. Ein vermutlich deutscher Reisender war es dann, der das Collier im Jahr 1842 mit über die Alpen brachte. Denn auf der Rückseite der aufwändigen Schließe findet sich eine Widmungsgravur mit den Initialen „A.v.M.“ und dem Datum „d[en]. 12t[en] Mai 1842“. Auch die Vorderseite der Schließe setzt die ländliche Motivik des Schmuckstücks fort. Fein getrieben und idyllisch arrangiert sehen wir hier einen Spaten und einen Rechen zusammen mit einem Korb voller Blumen und üppigen Früchten unter einem Baum. Das Collier, welches aus einem Nachlass im Badischen zu uns kam, ist ein wunderbares, dekoratives Schmuckstück im seltenen Medium des Mikromosaiks mit anrührenden Tierdarstellungen. Vgl. Sie die entsprechenden Mosaike mit Darstellungen von Spanieln bei Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L’arte del micromosaico fra ’700 e ’800, Mailand 2001, auf Seite 62f., mit Beispielen aus verschiedenen römischen Sammlungen.

Der Ursprung der Kunst des Mikromosaiks liegt im Rom. Hier, genauer im Vatikan, bestand seit dem 16. Jahrhundert eine Werkstatt für Mosaike aus Glassteinen. Zunächst um die im Petersdom aufgestellten Altargemälde in dauerhafter Form gegen Kerzenruß, Feuchtigkeit und Dreck zu schützen, welche die vielen Pilger in die Kirche brachten. Später, nachdem diese Aufgabe dann abgeschlossen war, entstanden weiterhin Gemäldekopien sowie Landschaftsdarstellungen in Gemäldegröße. Die Idee, diese letztlich antike Technik auch für Schmuckstücke und zur Dekoration kunstgewerblicher Gegenstände zu nutzen, entstand zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Rahmen der Grand Tour erreichten zahllose Reisende aus Nordeuropa die Stadt und erzeugten eine große Nachfrage nach Souvenirs. Nicht zuletzt um diesen Markt zu bedienen, entstand eine ganz neue Kunstform: Mikromosaike sind klein und transportabel und eigneten sich daher ganz besonders dazu, mit in die Heimat im Norden genommen zu werden. Da sie außerdem meist die Schönheiten Roms oder Motive aus der Antike zeigen, verwundert ihr Erfolg als Reiseerinnerung kaum. Die „Erfindung“ des Mikromosaiks verbindet sich vor allem mit Giacomo Raffaelli und Cesare Aguatti, welche um das Jahr 1775 herum diese Technik perfektionierten. Sie begründeten eine Tradition, aus der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Mosaike mit einem derartigen Detailreichtum und Kunstfertigkeit entstanden, welche nie zuvor und auch nicht mehr danach erreicht wurde. Denn bis heute werden in Rom entsprechende Mosaike hergestellt, wenn auch in deutlich minderer Qualität. Vgl. zur Technik und Geschichte des Mikromosaiks die einschlägige Literatur: Maria Grazia Branchetti: Mosaici minuti romani, Rom 2004, mit vielen Arbeiten Giacomo Raffaellis, sowie Roberto Grieco/Arianna Gambino: Roman Mosaic. L'arte del micromosaico fra '700 e '800, Mailand 2001.

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