Schmuck der Spinnerinnen

Antike „Fileuse“ Trachten-Ohrringe aus Gold aus Frankreich, frühes 19. Jahrhundert


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Antike „Fileuse“ Trachten-Ohrringe aus Gold aus Frankreich, frühes 19. Jahrhundert
Antike „Fileuse“ Trachten-Ohrringe aus Gold aus Frankreich, frühes 19. Jahrhundert
Beschreibung
Trachtenschmuck hat in Frankreich eine ebenso lange und reiche Tradition wie in Deutschland. Jede Region entwickelte ihre eigenen Formen. Berühmt sind besonders die verschiedenen Kreuze, meist aus Silber, die sich teilweise von Gemeinde zu Gemeinde unterscheiden und doch stets charakteristische Merkmale bewahren. Aber auch Haarschmuck, Ketten und – wie hier – Ohrringe gehören zum festen Bestand des französischen Trachtenschmucks. Die reiche Vielfalt dieser Formen entwickelte sich in Frankreich ebenso wie in Deutschland erst nach dem Ende der strengen Kleiderordnungen des Ancien Régime, also seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ihre Blütezeit endete im 19. Jahrhundert mit der zunehmenden Industrialisierung und dem damit verbundenen Wegzug vieler Menschen vom Land in die Städte. Zwar entstand auch weiterhin Trachtenschmuck, nun jedoch häufig nicht mehr in den Regionen selbst, sondern in den Städten – als nostalgische Erinnerung an eine vermeintlich einfachere Vergangenheit. Auch Dirndl und Oktoberfest sind letztlich Zeugnisse dieser romantischen Verklärung des Landlebens im 19. Jahrhundert. Das hier vorliegende Paar Ohrringe ist deshalb ein umso größeres Glück, denn es entstand noch im frühen 19. Jahrhundert. Die Ohrringe bestehen aus einem Oberteil mit Klappbrisur, das ein achteckiges, gewölbtes Zierelement trägt. In dessen Mitte sitzt ein rot leuchtender Rubin. Beweglich angehängt ist ein langes Pendel, das die achteckige Form wieder aufnimmt und ebenfalls mit einem Rubin geschmückt ist. Alle Teile bestehen aus rötlichem Gold. Die Ohrringe sind hohl gearbeitet und wurden bereits im frühen 19. Jahrhundert mithilfe von Stahlmodellen in manufakturmäßiger Fertigung in kleiner Auflage hergestellt. Im Französischen bezeichnet man diesen Typ als „fileuse“. Der Name nimmt auf die längliche Form der Pendel Bezug, die an eine Spindel der Spinnerin (fileuse) erinnert. Besonders typisch sind solche Ohrringe für die Normandie, doch finden sich ähnliche lange, hohl gearbeitete Formen auch in der Provence, der Auvergne und der Vendée. Michael C. W. Fieggen hat in Traditional French Jewellery, Bd. 1: Regional Jewellery, o. O. 2021, S. 15 f. und S. 128, weiterführende Informationen zu den „fileuse“-Ohrringen zusammengetragen. Besonders interessant ist seine Beobachtung, dass Ohrringe dieses Typs bereits im frühen 19. Jahrhundert auch in Paris getragen wurden. Offenbar war es unter modebewussten Großstädterinnen schon früh en vogue, sich mit regionalem Trachtenschmuck zu schmücken. Vielleicht war dies eine Folge der Französischen Revolution und Ausdruck einer bewussten Abkehr von höfischen Traditionen. Sicher ist jedenfalls, dass hier die bis heute anhaltende Faszination für den Schmuck des ländlichen Frankreichs ihren Anfang nahm. Das Paar trägt bislang nicht gedeutete, etwas undeutliche Punzen. Die Rubine sind moderne Ergänzungen. Wir haben die Ohrringe in London entdeckt.
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Unser Versprechen
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