Rokoko & Klassizismus

Rokoko & Klassizismus

Ein Leben in Schönheit

Schmuckstücke des 18. und frühen 19. Jahrhunderts sind geprägt vom Leben am Hofe. Sowohl das überbordende Rokoko des Ancien Régime als auch der strenge Klassizismus um 1790 entstanden an den Residenzen der Fürsten. Strahlende Edelsteine in eleganten Entwürfen halfen hier, ein Leben in Luxus und Glanz vorzuleben – und zeugen noch heute von diesem Traum von einer Welt der Schönheit.

Formensprache und Vorbilder des Rokoko unterscheiden sich sehr von denen des Klassizismus und Empire. Zur Mitte des 18. Jahrhunderts liebte man florale Motive, reich besetzt mit farbigen Steinen, die auf den weit ausladenden Kleidern getragen wurden. Sogenannte Giardinettiringe brachten ganze Blumenbouquets en miniature in Edelsteinen an die Hände eleganter Damen. Asymmetrien im Entwurf erfreuten das sich nach Abwechslung sehnende Auge, ganz ähnlich, wie sie das namensgebende Dekorationsmotiv der Zeit vorgab, die zu verschiedenen Seiten ausschwingende Rocaille.

Mit dem Ende des Ancien Régime, der Monarchien vor der Französischen Revolution, gewannen die Entwürfe der Goldschmiede dann eine zuvor ungesehene Strenge. Die Orientierung an antiken Vorbildern forderte eine stärkere Stilisierung der Elemente und auch die Farbigkeit nahm ab: Perlen und Diamanten besetzten nun zahlreich die in weißem Licht schimmernden Stücke und neue Materialien wie Cut Steel oder Eisen glänzten in ebenso monochromer Farbigkeit. Kostbare Farbsteine verloren nicht an Beliebtheit, wenngleich sie nur noch selten zu vielfarbigen Stücken kombiniert wurden. Häufiger indes finden sich nun antike oder in antikem Geschmack neu geschaffene Gemmen und Kameen in die Arbeiten integriert.

Beiden Epochen gemein ist ihre Vorliebe für reiche Ausstattungen und hochwertige Verarbeitung der Stücke, weshalb wir sie in einer Kategorie zusammengebracht haben. Entstanden in Handarbeit, finden wir die in alten Schliffen warm funkelnden Juwelen zumeist in Silber gefasst und auf Gold montiert, das in verschiedenen, heute meist nicht mehr gebräuchlichen Legierungen verwendet wurde. Weitere Besonderheiten finden Sie in den Informationen zu den einzelnen Stücken – wir laden Sie ein, diese zu entdecken, ganz ohne Angst vor der Guillotine!

Élisabeth Vigée-Lebrun: Selbstbildnis mit Strohhut (um 1783), National Gallery, London, Detail.